12.03.2019
Henriette

Henriette hat das Beten auf dem Schiff gelernt. Dein Reich komme. Ihre Großmutter hatte sie in den Arm genommen, bei der Flucht übers Haff und ihr das Vaterunser aufgesagt. Mehr als 70 Jahre ist das her.

Henriette hat vor gar nichts mehr Angst. Sie lebt in einer großen Wohnung ganz allein. Sie lässt sich von keinem was sagen, aber sehr wohl von ihrem Gott. Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden. 

Wenn sich die Leute vor ihr aufbauen, schaut sie sich die erst mal an. Sie mag es nicht, wenn Leute wunder wie großartig tun und es am Ende gar nicht sind. Dafür hat uns Gott nicht gemacht, sagt sie, dass wir uns über andere erheben und ihnen sagen, was sie tun müssen. Alles, was der Mensch braucht, ist Ehrlichkeit, das reicht. Henriette hat im Krieg viel gelernt. Die Welt geht unter, wenn sich der Mensch aufspielt, als wäre er Gott. Vater unser im Himmel dein Wille geschehe.

Wir haben gar nichts in der Hand, meint sie, nur die Frage, was wir aus jedem Tag machen. Wenn wir uns dazu aufraffen können, unserem Nächsten zu helfen, haben wir schon viel geschafft. Wer ist ihr Nächster, hat sie vor über 50 Jahren im Ruhrpott mal einer gefragt, und sie sagte: der dort, der da gerade auf der Straße geht. Es war ein Türke gewesen und Henriette hat sich dann 50 Jahre lang für Türken im Ruhrpott engagiert und ihnen geholfen, mit ihrem Leben dort anzukommen.

Henriette ist eine starke Frau. Sie hat mir gezeigt, wie einfach das geht: beten und leben, woran du glaubst. 

Henriette wird bald 82. Sie hat viel geschafft, aber wenn sie einer fragen würde – wie, dann würde sie sagen: Nur mit dir, mein Gott, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.

Eine gute Nacht wünscht Ihnen Kristin Jahn, Superintendentin im Kirchenkreis Altenburger Land.


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