09.04.2019
Hinterhof

Im Hinterhof sind die Steine bunt. Da, wo nur wenig Licht hinfällt, haben Kinder die Pflastersteine mit farbigen Kreiden bemalt. Rot und gelb und grün und blau. Kräftige Farben auf tristem Untergrund. Wenn die Steine hier sprechen könnten. Sie würden erzählen von all den Menschen und ihren Geschichten. Von Lotte Müller aus dem ersten Stock. Die hatte der Krieg hierhergeführt. Ein Leben lang hatte sie sich nach ihrer Heimat gesehnt und den kräftigen Farben der Felder ihrer Kindheit in Ostpreußen. Strohgelb waren die. Oder da war die Geschichte von Rudi Bommer. Jeden Abend kam der in den Hinterhof. Um eine Zigarettenlänge von dem verpassten Leben zu träumen. Greta – so hieß die Liebe seines Lebens. Warum nur hatte er nicht zugegriffen, als das Schicksal ihm damals das Glück vor die Füße gelegt hat. Vergangen. Nun kam er jeden Abend in den tristen Hinterhof und träumte von Greta und ihren knallroten Lippen. Oder da war das Ehepaar Müller aus dem Hochparterre gegenüber. Sie konnten nicht ohne einander, aber auch nicht miteinander. So stritten sie Tag für Tag und träumten von damals, von den glücklichen Momenten ihrer noch frischen Liebe, am blauen Meer.

Jetzt sind die Steine im Hinterhof kunterbunt.

Und um eine Geschichte der Kinder und ihrer Freude reicher.

Strohgelb, knallrot und tiefblau.

Male die Farben Deines Lebens Gott an den Himmel, rät Pfarrer Ramón Seliger, evangelisch und aus Weimar

 

 


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