Hören und Sehen

Morgen ist es soweit. Morgen tagt zum ersten Mal der 19. Deutsche Bundestag. Darin werden 709 Abgeordnete Platz nehmen. Aber die Frage, wer sitzt wo, ist noch zu klären. Die Sitzordnung steht noch nicht fest. Darüber wird morgen abgestimmt. Sicherlich werden die Linken ganz links sitzen und die AfD ganz rechts. Aber, wer sitzt neben ihnen?

Wenn ich mir was wünschen könnte, dann säßen die Fraktionen nicht im Block. Sondern gemischt. Dann würden 709 Plätze per Los entschieden. Dann sähe man nicht auf den ersten Blick wer wer ist. Dann würden die Abgeordneten nicht unter sich bleiben und zuerst mit ihren Fraktionskolleginnen reden. Dann würde nicht en Block geredet, getuschelt, zugehört. Man säße neben einer oder einem aus einer anderen Partei. Und hätte es mit einer anderen Meinung als der eigenen zu tun. Man spräche wohl oder übel mit dem oder derjenigen, der gerade nebenan sitzt. Und würde eine kontroverse Meinung hören. Und den Blick aus einer anderer Perspektive kennenlernen, sich damit auseinandersetzen.

Mit meiner zugegeben etwas ver-rückten Sitzordnung wäre das Parlament ganz schön durcheinander gewirbelt. Anders. Ob sich dadurch etwas ändern würde?

In der Bibel jedenfalls gilt es als Segen Gottes, wenn Menschen aufeinander hören und aufmerksam schauen können. „Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der Herr.“ Deswegen ist es manchmal ganz gut, durcheinandergewirbelt zu werden, damit man wieder neu hören und besser sehen kann.

Eine gesegnete Nacht wünscht Ihnen Pastorin Theresa Rinecker aus Weimar