Im Netz

In meinem Arbeits-Zimmer hängt ein großes Netz an der Wand. Kein echtes Fischernetz, nur so als Deko. Ein Ostsee-Urlaubs-Souvenier. Daran baumeln an bunten Wäscheklammern bunte Erinnerungen.

Das Bild ganz oben liebe ich besonders: Eine Tänzerin mit blauem Röckchen schwebt durch die Luft. Federleicht und filigran. Wie eine Elfe, wie eine Zauberfee. Mit einem Lächeln im Gesicht. Die Arme weit nach oben gestreckt. 

Ein fünfjähriges Mädchen hat das Bild mit Buntstiften gemalt. Die Zauberfee-Elfen-Tänzerin ist ihre Oma, die gerade gestorben war. Wie sie im Himmel herum schwebt. Ohne Beschwerden, ohne jede Last. Glücklich.

Darunter Fotos von Babies und Hochzeitspaaren, Spruchkarten, Freches und Nachdenkliches, eine winzige Sanduhr, der erste Brief meiner Enkelin, ein Papier-Engel, ein Wattebausch.  Mit allem verbinde ich etwas Besonderes, alles gehört zu meinem Leben, hängt irgendwie zusammen, ist miteinander vernetzt. 

Mitten drin eine Vollmond-Aufnahme – rund und schön. Daneben ein Nachtgebet von Augustinus. Ich bete es gern vor dem Einschlafen. Lasse mich dabei fallen in dieses andere Netz, in Gottes Hände, in denen ich aufgehoben bin, auch in der Nacht:

Wache du, Herr, mit denen, die wachen oder weinen in dieser Nacht. Hüte deine Kranken, lass deine Müden ruhen, segne deine Sterbenden, tröste deine Leidenden, erbarme dich deiner Betrübten und sei mit deinen Fröhlichen. Amen.

 

Eine behütete Nacht

wünscht Angela Fuhrmann, evangelische Pfarrerin in Gotha