In Zwischenzeiten wie diesen

Weihnachten geht mir immer viel zu schnell vorbei. Die glücklicheren Gesichter, die schönen Lieder, der schwebende Ausnahmezustand – das alles hätte ich gern ein paar Tage länger.

Geschenke umtauschen, Altglas fortbringen, wieder Staub wischen. Die Kinder sind fort. Und draußen im ungünstigen Fall Schmuddelwetter. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon etwas Ernüchterndes.

Darum ist es gut, dass es den 28. Dezember gibt. Am 28. Dezember feiere ich Klein-Weihnachten. Weil – am 28. Dezember wurde ich getauft. In einer erzgebirgischen Dorfkirche. Im Alter von vier Wochen.

Zu meinem Tauftag bekam ich als Kind immer eine Tafel Schokolade. Das war eine Rarität und machte den Tag zu einem Festtag. Und dabei ist es geblieben.

Beides tut gut in Zwischenzeiten wie diesen. Die Schokolade. Und zu wissen: Ich bin getauft. Da ist ja noch wer oder was um mich herum. Jemand, der mich liebt wie ein Kind, wie sein Kind, auch wenn ich längst kein Kind mehr bin.

Auch wenn der Alltag mir zu schaffen macht mit seinen Mühen und Endlos-Wiederholungen. Und mir zwischendurch bewusst wird, dass ich eigentlich noch nie sowas war wie meines eigenen Glückes Schmied...

Ich bin getauft. Martin Luther soll diese drei Worte mit Kreide auf den Tisch geschrieben haben, wenn es ihm zwischenzeitlich nicht gut ging.

Morgen der 29. Dezember. Ich schreib es mit Kreide: Da ist noch wer. Ganz nah. Und dann nehm ich mir eine Schokolade.

Inzwischen sage ich schon mal
Gute Nacht!
Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Gotha