Josef

Weihnachten hinterlässt seine Spuren. Zum Glück.

Immer noch finden sich Nadeln vom Christbaum im Wohnzimmerteppich.

Und noch steht da die Krippe. Die nadelt ja nicht. Im Gegenteil, fast scheut man sich, Maria und Josef wegzupacken. Als hätten sie von heut auf morgen ausgedient.

Also werden wir in diesem Jahr die Figuren einzeln wegräumen.

Heute ist Josef dran.

Irgendwie hat er es schwer, dieser Mann. Vater-Sein ist ja sowieso nicht immer leicht. Unserem Josef, der geschnitzten Holzfigur, scheint man das anzusehen. Derbe, große Hände, ein fragendes Gesicht: Dass er kniet, scheint nicht recht zu passen. Eher wirkt er, als wäre er auf dem Sprung. Würde sich lieber bewegen, kennte sich besser aus mit den tätigen Dingen und der praktischen Hilfe.

Für den Rest der Jesus-Geschichte spielt er gar keine Rolle mehr. Was war er für ein Vater? Ob er dabei war, als sein Sohn starb? Man weiß so wenig über ihn, den Zimmermann. Vermutlich ein Mann der Tat, nicht der großen Worte.

Aber jetzt, bei der Geburt seines Sohnes, hat er seinen großen Auftritt.

Jetzt, an der Krippe, versorgt er Maria im Wochenbett. Kümmert sich um den überraschenden zahlreichen Besuch, und trifft Vorkehrungen für die Weiterreise.

Die großen, kräftigen Hände dieser Josef-Figur prägen sich mir besonders ein.

Und ich schaue auf meine. Da kommt es mir vor, als würde Josef liebevoll-väterlich seinen Arm um mich legen und mich auffordern: Komm, pack es an, was da vor dir liegt. Nimm Dein Leben in die Hand, auch wenn die Fragen bleiben. Vielleicht wirst Du später das ein oder andere begreifen.

Jetzt ist Ruhezeit, in der Nacht. Morgen wartet neues Tagwerk.

Dass Ihre Hände morgen beherzt zugreifen,

das wünscht Ihnen Pfarrerin Elisabeth Wedding