07.09.2020
Koffer verloren

Ich war im Mittleren Osten vor Jahren – mit dem Flugzeug natürlich, als alles noch anders war als jetzt. Auf dem Rückweg blieb mein Koffer beim Umsteigen in der Türkei. Das habe ich aber erst nach der Ankunft in Berlin gemerkt.

Nach etwas Hin- und Herlaufen konnte ich an einem Schalter eine Gepäcksuche aufgeben. Gefragt waren drei charakteristische Inhaltsstücke, mit denen sich der Koffer identifizieren ließe. Da musste ich nachdenken. Als erstes fiel mir ein: „Schwarze Stiefeletten, aber nicht rund vorne sondern spitz, dann mein T-Shirt zum Schlafen, da ist Freddie Mercury drauf und … ach ja, ein paar Kirchenliederbücher.“ Eine nette Zusammenfassung von meinem Leben, dachte ich damals. Was sagt das eigentlich über mich aus? In dem Fall wohl, dass Musik und Schuhe mir etwas bedeuten. Damit kann ich leben. Fast alle meine Schuhe sind vorne spitz, das gefällt mir einfach besser. Und die Liederbücher sind voller Kritzeleien und Erinnerungen, zum Beispiel an die kleine Band, die wir während des Studiums hatten. Nicht mehr am hektischen Flughafen, sondern irgendwann zuhause vom Sofa aus, habe ich das Gedankenspiel weitergetrieben: Wenn mein ganzes Leben ein Koffer wäre, welche drei Dinge müssten dort unbedingt drin sein? Der Laptop oder das Fotoalbum mit Bildern von Oma, die nicht mehr lebt?

Ich weiß es nicht. Aber bin froh, alles zu haben, was zählt. Was für ein Glück! Danke Gott! Schlafen Sie gut, wünscht Milina Reichardt-Hahn, Pfarrerin in Fambach.


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