Lob des klugen Eigenlobs

Eigenlob stinkt, wurde mir als Kind beigebracht. Und dass es klüger ist, auf jede Art von Angeberei zu verzichten. Weil man sich damit eher unbeliebt macht.

In der Bibel aber gibt es eine göttliche Ermutigung, sich selbst zu rühmen. Eine Ermutigung zum Eigenlob. Verbunden mit einer besonderen Definition von Klugheit:

So spricht Gott: Wer sich rühmen will, der rühme sich, dass er klug ist und mich kennt, den Gott, der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit übt auf der Erde.

Klug sein heißt: Gott kennen? Gott suchen und finden, wo Warmherzigkeit geübt wird auf unserer Erde?

Ist Gott in dem kleinen Dorf in Nigeria, wo Ärzte ohne Grenzen Nahrungsmittel verteilen und Kinder gegen Masern impfen?  

Ist Gott im Frauenhaus der Ev. Stadtmission Erfurt, wo Lisa mit ihrem Baby Zuflucht findet vor dem Freund, der ständig ausrastet?

Ist Gott bei dem Nachbarn, wenn er seine demente Mutter im Pflegeheim besucht?

Vielleicht ist Gott besonders da, wo ich selbst Barmherzigkeit übe? Vielleicht ist auch die kleinste solcher Übungen klüger als die Frage: Wie kann Gott so viel Ungerechtigkeit auf der Erde zulassen?

Ich finde, es lebt sich gut im Vertrauen auf Gott, der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit liebt. Mit diesem Vertrauen will ich mich jetzt schlafen legen.

Und morgen mit frischen Kräften aufstehen. Weiter üben. Gott suchen und finden. Ohne falsche Bescheidenheit. Gutes tun und darüber reden.

 

Eine gute Nacht voller Vertrauen

wünscht Angela Fuhrmann,

evangelische Pfarrerin in Gotha