Maria

„Mit den Hirten will ich gehen, meinen Heiland zu besehen ….“

Dieses alte Weihnachtslied sang meine Mutter gerne. Es steht nicht in unserem Gesangbuch, und ich weiß nicht woher sie es hatte. Aber es hat sich eingeprägt, und wir haben es Jahr für Jahr gesungen – in der Weihnachtszeit, die bis Maria Lichtmess am 2. Februar dauert.

Ich habe es liebgewonnen, vielleicht gerade deshalb, weil es eher unbekannt ist. Und weil es irgendwie behutsam sich dem Geschehen an der Krippe nähert.

Besonders die Strophe mit Maria ist mir ans Herz gewachsen:

„Mit Maria will ich sinnen,

ganz verschwiegen und tief innen,

über dem Geheimnis zart: Gott im Fleisch geoffenbart.

Heute habe ich sie wieder weggeräumt, die Maria von unseren Krippenfiguren. Vorsichtig eingehüllt in ein rotes Tuch, wie einen Mantel, und in die Kiste neben Josef gelegt.

Eine kräftige und zugleich zarte Holzfigur. Halb kniet sie und wirkt so, als könnte sie das alles selbst nicht fassen, was ihr da geschieht. Irgendwie muss sie es auch nicht. Wer will schon begreifen, wie Gott und Mensch sich verbinden, wie neues Leben entsteht und wie mächtig und gewaltig so ein kleines Menschenkind sein kann.

Maria bewegt das alles in ihrem Herzen.

Die offenen Fragen, die unklare Vaterschaft, die unsichere Zukunft, den unverständlichen, unerwarteten Besuch von Hirten und Sterndeutern.

Wie lebt sich's mit dem, was man nicht verstehen kann?, will ich Maria fragen. Wie erträgst Du das, was alles ungeklärt und unsicher ist?

Und ich summe es vor mich hin:

„mit Maria will ich sinnen, ganz verschwiegen und tief innen,

über dem Geheimnis zart: Gott im Fleisch geoffenbart.“

Welches Lied auch immer in Ihnen summt – schlafen Sie gut!

Pfarrerin Elisabeth Wedding aus Jena