Müssen oder wollen wir reden

Ein Slogan wird dieser Tage viel benutzt. „Wir müssen reden.“ Ich höre ihn wenn Parteien über mögliche Koalitionen verhandeln. Ich lese ihn auch als Überschrift für eine Gesprächsreihe, die zum Dialog zwischen Generationen einladen will.
„Wir müssen reden“. Und denke mir: Das klingt wenig einladend. Eher wie eine Drohung
Sie kommt heim. Ihr Mann begrüßt sie schon im Flur mit den Worten: „Wir müssen reden“. Sofort wird ihr ganz flau im Magen. Sie weiß augenblicklich, dass es ums Ganze gehen wird. Und sie ahnt, dass dies ein Ende einläutet. Das Ende ihres gemeinsamen Redens.
Wer so ins Gespräch kommen will, macht es dringend. Und damit dem Anderen schwer. Fordernd. Unausweichlich. Da hat sich einiges angesammelt. Fast klingt es so als würde da zunächst nur einer reden. Sich Luft machen. Aussprechen, was sich angesammelt hat. Einer muss seins loswerden. Und sagt zwar: „Wir müssen reden.“ Meint aber im Grunde oft vor allem: Ich muss reden. Und Du hörst zu. Es gibt eben diese eine Art zu reden, die den anderen mundtot macht.
Und es gibt eine Art zu reden, die einlädt. In der Offenheit mitschwingt. Aus der etwas Neues und Lebendiges entstehen kann. Die etwas vom Gespräch erwartet. Und diese Art zu reden fängt mit der Frage an: „Wollen wir reden?“ Wer so beginnt fragt nach: Kannst und willst du reden? Kannst und willst du auch hören, was mir wichtig ist? Statt gegeneinander können wir miteinander sprechen. Mir liegt daran, dass geredet wird. Lieber früher als zu spät.
Eine gute Nacht wünscht Ihnen Pastorin Theresa Rinecker aus Weimar