Nach-Denker (M. Luther)

Es gibt die Nachdenker und die Vordenker.
Diejenigen, die denken, nachdem sie etwas erlebt haben, die sich hinterher ihre Gedanken machen und das Leben sortieren.
Und es gibt die anderen, die Vordenker, die voraus planen und gestalten, sich aus Wünschen und Überlegungen ihr Leben zusammensetzen.
Ich gehöre eindeutig zu den Nachdenkern.

Wie oft geht es mir erst beim abendlichen Abwasch durch den Sinn, was ich heute erlebt habe. Wie oft verstehe ich dann erst, warum die Schülerin heute morgen in meiner Schule so gereizt auf meine Frage geantwortet habe. Warum der Nachbar gar nicht anders parken konnte. Und wie unpassend ich auf den Anruf meiner Mutter reagiert habe.
Manchmal rufe ich dann nochmal zurück, schreibe noch eine mail oder Textnachricht, um etwas gerade zu stellen oder zu ergänzen. Weil mir etwas leidtut und ich mich entschuldigen will. Oder einfach, um einen Gedanken weiter zu führen.
Und erst beim Nach-denken merke ich, wie sich Gott heute in meinem Leben bemerkbar gemacht hat. Als zeigten sich Gottes Spuren erst im Rückblick.
Was bin ich erstaunt, als ich genau das auch schon bei Martin Luther beschrieben finde: „Alle Menschen sind von Natur mehr Nach- als Vordenker, weil wir klüger sind, nachdem etwas geschehen ist.“
Und ich denke beruhigt: Gut, wenn wir hinterher klüger sind. Dann hilft es ja wenigstens etwas. Nicht nur grübeln, sondern wachsen. Danke Luther, dass du nach-denken hilfst.

Eine gute Nacht zum behutsamen Nach-denken wünscht Ihnen
Pfarrerin Elisabeth Wedding aus Jena