14.06.2016
Reisen mit leichtem Gepäck

Ich würde gerne mit leichtem Gepäck reisen, denkt sie sich. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch und schaut auf die Postkarte einer Freundin aus Griechenland. Und bekommt Fernweh. Einfach losfahren. Unterwegs sein. Mit leichtem Gepäck. Keine Verpflichtungen mehr, keine nervigen Sitzungen, keine anstrengenden Gespräche, kein Muss. Nur noch eine offene Tür. Das würde der Himmel sein.
Erschöpft lehnt sie sich zurück. Jeder Tag hat 12 oder 14 Stunden Arbeit. Das geht ihr auf die Knochen. Das frühe Aufstehen, dass sie manchmal am Mittag merkt, noch nicht gefrühstückt zu haben. Das zehrt. Ihr fehlen die Pausen. Jetzt will sie einfach weg. Irgendwohin, wo es leicht ist.
So ist der Sommer des Lebens, denkt sie sich. Eine lange Wegstrecke. Hitze. Man wird durstig. Das Gepäck drückt. Man kann in die Knie gehen.
Sie hat es zu etwas gebracht. Das Geschäft läuft halbwegs. Das Haus, die Familie. Der Kühlschrank ist voll. Der Kleiderschrank quillt über. Der Keller müsste mal entrümpelt werden. Aber gerade ist ihr alles zuviel. Es wirkt abgezirkelt. Hat keine Luft zum Atmen. Da bewegt sich nichts mehr. Stillstand. Besitzstandswahrung.
Geh nur mit einem paar Schuhe, sagt Jesus zu seinen Leuten, als er sie losschickt. Mit einem Wanderstab. Sonst nichts. Nur das Allernötigste. Keine zwei Hemden. Damit ihr beweglich bleibt. Damit ihr merkt, wann ihr weiter müsst.
Reisen auch Sie mit leichtem Gepäck in diese Nacht – wünscht Ihnen Ulrike Greim aus Weimar von der Evangelischen Kirche.


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