27.01.2022
Ricki

Es heißt, mit Meryl Streep könnte man das Telefonbuch verfilmen und sie würde damit noch einen Oscar gewinnen. Weil die Schauspielerin siebzehnmal dafür nominiert war. Das ist Rekord und ich bin ein großer Fan von ihr! Aber eine meiner Lieblingsszenen stammt aus einem Film, für den sie keine so guten Kritiken bekam. Streep spielt Ricki, eine abgehalfterte Musikerin, die ihre Familie verlassen hat für die Karriere. Doch jetzt spielt ihre Band nur noch in einer lausigen Bar. Geld verdient sie an der Supermarktkasse. Die Kinder hat sie jahrelang nicht gesehen. Bis ihre Tochter in Not ist. Da fährt Ricki hin, um etwas gutzumachen. Aber alle sind sich fremd und leben in verschiedenen Welten. Als Ricki zufällig hört, dass ihr Sohn bald heiratet, gibt es Streit. Eingeladen wird sie aber zur Hochzeit und bringt das Einzige mit, was sie hat: ihre Band. Die spielt in dieser letzten Szene im Film und das rührt mich so, weil es zeigt, warum Ricki ihren Traum damals über alles gestellt hat. Musik ist ihre Leidenschaft, der musste sie nachgehen, egal mit welchem Erfolg und trotz aller Leiden, die es gebracht hat – ihren Kindern und ihr selbst. Ricki konnte einfach der Musik nicht widerstehen. Und so geht es den Hochzeitsgästen: Lange Zeit sitzen sie steif auf ihren Plätzen, schauen sich betreten an. Aber immer mehr stehen auf, irgendwann klatschen und tanzen alle mit. Manches ist tief in uns hineingelegt worden. Wenn wir etwas davon verwirklichen können, beflügelt es andere auch. Das wünsche ich Ihnen!

Milina Reichardt-Hahn, evangelisch und Pfarrerin in Fambach


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