Schneeflocken-Künstler

Vor wenigen Tagen – leichter Schneefall. Nichts Haltbares. Auf der Erde Matsch und Pfützen. Ich habe ein paar Wege zu erledigen. Sehe unter Kapuzen und Regenschirmen verdrießliche Gesichter. Jemand fegt die Straße, auf der ich versuche, ohne nasse Schuhe vorwärts zu kommen.

Zwei Kinder fallen mir auf. Mit glücklichen Gesichtern halten sie die Arme nach oben. Hopsen hin und her. Fangen Schneeflocken. Immer neue. Vergessen alles andere. Kichern fröhlich.

Mir fällt ein, was in meinem Adventskalender stand:
Dass 1885 der amerikanische Farmer Wilson Bentley damit begonnen hat, Schneekristalle unter dem Mikroskop zu fotografieren. Und dabei entdeckte, dass jede Schneeflocke einzigartig ist, jede einzelne ein Unikat. Lauter sechsarmige Schneesterne in phantastischen Formen, eiskalte Schönheiten. Toll, oder?

Jetzt sehe ich die Schneeflocken mit anderen Augen: Schneeweiße Wunderwerke von ganz weit oben, ein jedes nach seiner Art! Was sie mir alles zeigen können: Wie kreativ Gott ist, wie viel, wie unendlich viel er sich einfallen lässt!

Kann ich da einfach so zusehen, wie sie zur Erde fallen? Ich strecke meine Hände aus, mittenhinein in die Glitzerparade. Fange mir welche von den Eiskunstwerken. Lasse sie schmelzen auf meiner Haut. Kriege kalte Hände.

Und dann auch nasse Füße. Wenn ich Schneeflocken fange, kann ich doch nicht auf Pfützen achten!

Gute Nacht und morgen ein paar Schneeflocken
wünscht Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Gotha