Schon gerettet

Ich bin die, die immer noch glaubt, dass es gut werden kann mit den Menschen. Mit allen und auch mit mir. Ich bin die, die morgens vor dem Spiegel steht und sagt: Das wird schon, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie. Ich laufe die Treppe hinunter, trete auf die Straße und sauge die kalte Luft durch die Nase. Die Sonne malt am Himmel das Glück des neuen Tages mit rot und blau und gelb. Es bleibt ein Geheimnis, wie das alles immer wieder wird. Ich gehe durch die Straßen, suche in den Gesichtern der Menschen, die mir begegnen, einen Hauch von diesem Geheimnis. Es berührt meine Seele, wenn mich unerwartet jemand anlächelt.
Ich bin unterwegs. Zu dem Kind in der Krippe. Erfüllt von der Sehnsucht, dass die Zeit für einen Augenblick stehen bleibt und ich sagen kann: Ja, ich glaube, dass dieses Kind die Welt schon gerettet hat. Das Kind, das zum Mann wird, zum Christus, von dem gesagt wird, er sei der, der die Menschen heilt macht, ihnen die Augen öffnet und die Münder und die Ohren.
Und ich wünsche und hoffe,
dass er uns zur Besinnung bringt, bevor wir die Welt zugrunde richten.
dass er den Frieden bringt in Zeiten von lautem Getöse und Waffengerassel.
dass ich die Zeichen auch in meinem Leben sehen kann.
„Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.“ Er will es gut machen mit den Menschen, mit mir und mit allen.
Glaubt Pfarrerin Dorothee Land, evangelisch und aus Erfurt.