Vaterliebe

Was soll er nun sagen? Josef sagt lieber nichts, denn er weiß nicht, was kommt nach dieser Nacht hier im Stall, und wie das nun wird mit der Frau und dem Kind, das ihm nicht gehört, nicht ihm nur allein.

Er wäre gegangen, am liebsten schon lange. Aber er hat ja auch seine Träume und vielleicht soll es so sein.

Wie winzig es ist! Und wie sich das anfühlt, so ein Baby im Arm zu wiegen, das Gesicht zu streicheln, schön vorsichtig, ganz vorsichtig, Mann!

Vielleicht... Ja, vielleicht hilft dieses Kind, dieser Heiland in Windeln, Kaputtes zu heilen? Seine Beziehungskiste zu reparieren? Vielleicht hilft es ihm, neu, oder nein überhaupt erst mal lieben zu lernen?

Was hat er bisher schon von Liebe gewusst? Ihn hat doch auch keiner wirklich geliebt, er war einfach da, als er klein war und größer wurde und als er ein Mann war auch – er war einfach da und er hat funktioniert und das war ja okay so, aber manchmal hat er sich mehr gewünscht. Manchmal hat er sich so gesehnt nach Nähe, nach Verstehen, nach Verstanden-Werden. Manchmal hat er sich so nach Liebe gesehnt!

Und nun diese Frau, dieses Kind – sie gehören nicht ihm, aber vielleicht, ja vielleicht gehört er dem Kind, diesem Kind?

Er will gar nicht mehr weg hier, nicht mehr weg von dem Kind, denn er fühlt sich so, so anders als sonst, weicher vielleicht und auch irgendwie froh, trotz aller Erschöpfung und trotz aller Fragen…

Was das nur ist: Ein Wunder? Oder, ist das – Liebe?

Eine Wunder-volle Nacht
wünscht Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Gotha