Vom Duft nach Hoffnung

Der Duft nach Weihnachten ist etwas Wundervolles. Und ich liebe es, nach dem Fest als erste aufzustehen und die Weihnachtszimmerluft tief einzusaugen, wenn meine Familie noch in den Betten liegt und niemand mich bei diesem Nachweihnachtsvergnügen stört.

Eine Art Ritual: In der Tür bleibe ich erst mal stehen. Lasse das Gesamtkunstwerk auf mich wirken. Atme mit geschlossenen Augen das typische Aroma ein. Diese besondere Mischung aus Kerzenwachs-, Apfelsinen- und Lebkuchen-Gerüchen und dem Dunst kleiner Glücksgefühle.

Mit der Nase voran spaziere ich zum Weihnachtsbaum. Beschnuppere die Zweige, erinnere mich: Früher rochen sie nach Kiefer. Und es hingen Schoko-Kringel daran.

Von einer Ecke schaue ich gemütlich in die andere. Freu mich über die besondere Ästhetik kleiner Geschenke inmitten von zerknülltem Papier und verknoteten Bändern.

Lasse mich verführen von meinem bunten Teller und wandere weiter mit vollem Mund. Beende meine Runde vor der Weihnachtskrippe aus Olivenholz.

Da liegt es, das Kind, das Kleine, von dem all diese großartigen Düfte ausgehen: Der Duft meiner Kinder-Weihnacht, der Duft nach diesen Feiertagen, der Duft auch irgendwie nach Hoffnung. Nach Hoffnung auf mehr Glück vielleicht. Und auf Frieden, ach ja, auf Frieden!

„Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß, mit seinem hellen Scheine vertreibt´s die Finsternis“, haben wir am Heiligabend gesungen.

Ja, dufte uns süß, kleines Gotteskind, vertreibe unsere Finsternis!

Eine gute Nacht
wünscht Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Gotha