Wagnis

Er ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Er ging ihr nicht mehr aus dem Herzen. Der Satz. Die Bitte: „Weise mir Herr deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit.“ Sie hielt sich nicht für besonders fromm. Sie war kein Mensch, der schnell einen Bibelvers auf den Lippen hatte. Aber diesen. „Weise mir Herr deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit“
Mal tauchte er beim Frühstück auf, mal beim Einkaufen. Hin und Her ging es. Ja oder Nein. Soll sie die Leitung des Kindergartens übernehmen? Die ganze Verwaltung. Und vor allem: Wie wäre es nicht mehr nur Kollegin sondern eben auch Chefin zu sein? Sie würde auch die Dienstpläne schreiben müssen. Und viel weniger mit den Kindern zu tun haben.
Andererseits hatte sie Lust auf eine Veränderung. Sie freute sich, dass man sie gefragt hatte. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt nochmal was Neues zu probieren. Und aufbrechen. Oder alles beim Alten zu lassen.
Aber es sollte kein Weg nur nach ihrem Kopf werden. „Weise mir Herr deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit.“
Aber er, der Herrgott, würde ihr die Entscheidung nicht abnehmen, das war mal klar. Er würde nicht sagen: „Tu es auf keinen Fall. Du bist genau an dem Platz, an dem Du gebraucht wirst. An dem ich dich will.“ So lief es nicht mit ihnen beiden. Aber es lief trotzdem. Vielleicht genau deshalb, weil er ihr nicht aus dem Kopf ging. Und nicht aus dem Herzen.
Sie würde sich selber entscheiden müssen. Heute entschied sie sich diesen Satz als ersten Schritt zu sehen. Sie würde – wo auch immer es hinging – nicht ohne Gott gehen.

Eine gute Nacht wünscht Ihnen Pastorin Theresa Rinecker aus Weimar