Warum?

„Warum musste das ausgerechnet mir passieren?“, fragt mich eine Freundin, die gerade in der Krise steckt. Ich fange an zu stammeln: „Hm. Na ja, weißt du ...“. In meinem Kopf schwirren Gedanken umher. Was könnte ich jetzt schon sagen oder tun? Was würde helfen? Ich weiß auch nicht, warum wir immer solche Zeiten erleben, Krisen, Herausforderungen, die sich vor uns auftürmen. Ich könnte gut darauf verzichten.

Als Gott sich Mose offenbart, sagt er: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen. Ich habe ihr Schreien gehört. Ich habe ihr Leiden erkannt.“ Mose fragt: „Wie soll ich dich nennen?“ Gott sagt: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ oder einfach: „Ich bin da.“

Meine Erfahrung ist tatsächlich: Im tiefsten Innern weiß ich, es gibt keine Antwort auf die klagende Frage nach dem Warum?, so sehr ich mir das auch wünsche. Stecke ich mitten in der Krise, brauche ich niemanden, der mir alles schön redet. Es hilft mir aber, wenn jemand da ist, der hört und sieht und mich ernst nimmt. Ich will nichts erklärt bekommen. Ich will gesehen werden in meinem Elend.

Also sage ich zu meiner Freundin: „Hm. Na ja. Weißt du ... ich bin da. Und ich bleib jetzt erst mal hier.“ Sie nickt und lächelt. 

Ich bin da, sagt Gott. Ich sehe dein Leid, höre dein Schreien, bleibe bei dir in der Krise. Wenn nötig, auch in dieser Nacht.

Dass Gott für Sie da ist in dieser Nacht, wünscht Pfarrerin Dorothee Land, evangelisch und aus Erfurt.