10.06.2020
Was ich vermisse

Ich beginne es zu vermissen.
In den letzten Wochen und Monaten habe ich immer wieder am Abend mit meinen Kindern am Fenster gestanden.
Pünktlich 19 Uhr haben wir die Fenster geöffnet
und haben miteinander gesungen.

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen,
am Himmel hell und klar.

Und wir waren nicht allein.
Um uns herum haben die Nachbarn auch ihre Fenster geöffnet
Und wir haben gemeinsam gesungen.
An manchen Abenden haben wir uns richtig aufeinander gefreut.
Dann haben wir am Fenster noch einen kleinen Schwatz gehalten
Und gemeinsam den Abend begrüßt und gemerkt,
wie es jeden Abend ein wenig heller wurde.

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämm’rung Hülle,
so traulich und so hold.

Inzwischen singen wir immer seltener.
Der Alltag hat uns wieder.
Und das fühlt sich nicht nur gut an.
Ich vermisse unser kleines Abendritual,
in der Familie und mit den Nachbarn.
Und ich vermisse,
wie wir miteinander gelebt haben,
aufmerksam und interessiert.
Wie war Dein Tag?
Wie geht es Dir?
Der kleine Schwatz am Abend:

Aber, warum eigentlich nicht?
Was hindert mich nachzufragen
Und einfach am Abend die Fenster zu öffnen
Und weiterzusingen?

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
Und lass uns ruhig schlafen.
Und unsern kranken Nachbarn auch.

Schlafen Sie gut wünscht Ihnen Pfarrer Ramón Seliger, evangelisch und aus Weimar.

 


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