26.12.2019
Weihnachtspyramide

Der Schrei aus dem Weihnachtszimmer dringt durch Mark und Bein.

Regina steht vor dem Buffet mit der Weihnachtspyramide.

Sie hat die kleinen Holzfiguren in der Hand.

Aber was ist mit ihnen geschehen? Sie sind total entstellt.

Nicht wiederzuerkennen.

 

Die alte Pyramide ist ein Familienerbstück.

Im Erzgebirge von Hand gefertigt,

wurde sie von Generation zu Generation vererbt.

Jetzt hat ihr kleiner Sohn an der Krippe Gefallen gefunden.

An Weihnachten hat er Filzstifte geschenkt bekommen.

Die hat er gleich mal ausprobiert.

 

Regina schaut in die bunt bemalten Gesichter der Krippenfiguren.

Etwas krakelig, aber aus den steifen Männlein sind orientalisch anmutende Gestalten geworden.

Farbenfrohe Kleider,

Josef hat die Hautfarbe gewechselt,

er erinnert jetzt eher an einen Afrikaner.

 

Regina hält kurz inne.

Sie schaut auf ihren Sohn,

schaut dann wieder auf die Figuren.

Und sie kommt ins Nachdenken.

Vorbei mit der Gemütlichkeit.

Aber vielleicht ist das auch ganz gut so.

 

Klar, in unseren Augen ist Jesus weiß, Maria und Josef auch.

Ganz europäisch.

Gott kommt schließlich zu uns.

Aber Gott kommt vor allem dahin, wo die Not ist.

Sie denkt an die syrische Familie nebenan.

Die Tochter geht mit ihrem Sohn in den Kindergarten.

Und Regina fragt sich:

Wo würde Gott heute zur Welt kommen?

Vielleicht in den Krisengebieten.
Vielleicht auf einem Rettungsboot im Mittelmeer.

Vielleicht bei der einsamen Nachbarin von nebenan.

 

Regina schaut wieder auf die von Kinderhand bemalten Figuren in ihrer Hand.

Sie lächelt und denkt:

Zuviel Weihnachtsgemütlichkeit tut uns nicht wirklich gut.

Gott ist größer als alle Tradition und Gemütlichkeit.

 

Eine gute Nacht wünscht Ihnen Pfarrer Ramón Seliger, evangelisch und aus Weimar.

 


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