Wissen und Hoffen

„Ich weiß nicht, ob der Himmel niederkniet, wenn man zu schwach ist, um hinaufzukommen?“ Das schreibt in einem ihrer Gedichte Christine Lavant, eine Schriftstellerin aus Österreich Mitte des 20. Jahrhunderts.

Diese fragenden Zeilen fallen mir ein, als ich einen kranken Freund besuche. Der sich quält mit der Bestrahlung. Die er braucht, damit der Tumor kleiner wird. Diese Frage fällt mir ein, weil er so kraftlos ist. Der starke Mann. Noch vor zehn Wochen. Sicher und fest. In seinem Beruf. In seiner Familie. Auch in seinem Glauben. Nun erzählt er mir, dass er das, was ihm gerade wiederfährt, nicht zusammenkriegt mit seinem Gott. Dem er allabendlich dankte für den Tag. Und den Schutz. Nun fühlt er sich ausgeliefert. An die Diagnose. Die Behandlung. Ohnmächtig, schwach. Auch Gott sei für ihn gerade weit weg. Fast unerreichbar.

Ich höre ihn fragen: Wo ist der Himmel, wo ist Gott jetzt? Wie komme ich wieder an ihn ran? Oder hat der Himmel Erbarmen und kommt zu mir? Kniet nieder. Sucht mich, wenn ich keine Kraft habe.

Mich berührt sein Leiden. Ich bin in Sorge um ihn. Ich bewundere seine Offenheit und sein Ringen. Und weiß, eine vorschnelle Antwort würde nicht helfen. Und doch ist in mir Hoffnung und Zuversicht, dass unser Gott niederkniet, an den Krankenbetten ist und an all den Orten von Schwäche und Verzweiflung. Und so ist mein vorsichtiger Satz: „Ich glaube, dass der Himmel niederkniet, wenn ich zu schwach bin, um hinaufzukommen.“

Eine gute Nacht wünscht Ihnen Pastorin Theresa Rinecker aus Weimar