12.03.2020
Zitat aus dem Film „Hannah Arendt – Ihr Denken veränderte die Welt“

Das jüdische Mädchen Anne Frank hat sich zwei Jahre vor den Nationalsozialisten versteckt. In einem Hinterhaus in Amsterdam schrieb sie Tagebuch über diese Zeit. Ein Teil davon ist erhalten geblieben. In diesen Tagen, Anfang März, vor 75 Jahren ist Anne Frank im Konzentrationslager Bergen-Belsen gestorben.

Was hat die Täter im Holocaust angetrieben?, fragte sich die Philosophin Hannah Arendt. Sie nahm am Prozess gegen Adolf Eichmann teil; es gibt einen Film darüber mit Originalaufnahmen.

Im Gerichtssaal rechnet Hannah Arendt mit einem Raubtier; Eichmann muss ein schreckliches Monster sein. Er hat von Berlin aus die Verfolgung und Abtransporte der Juden organisiert. Doch auf der Anklagebank sitzt ein normaler, durchschnittlicher Mann. Sein Standpunkt ist: Ich musste das machen, was mir befohlen wurde. Nichts geschah aus eigenem Antrieb heraus und eigene Absichten hatte er nicht, sagt Eichmann. Weder gute noch böse.

Hannah Arendt meint: Damit verleugnet er sich als Person, so als hätte er in der Todesmaschinerie nur wie ein Roboter gehandelt und selbst nicht mehr existiert. Für sie heißt das: Hinter den bösesten Taten stecken kein teuflischer Wille und keine bestimmte Überzeugung. Sondern menschliche Wesen, die nicht selbst verantwortlich sein wollen. Wenn das stimmt, ist auch jeder von uns zu extremer Bosheit in der Lage. Anne Frank könnte noch leben, wenn einer in der tödlichen Befehlskette „nein“ gesagt hätte.

Mut für Ihr Leben wünscht Ihnen Milina Reichardt-Hahn, evangelisch und Pfarrerin in Fambach.


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