09.09.2020
Zusammenhalt wagen

Seit neun Jahren wohne ich jetzt in Thüringen. Genau so alt war ich als die Mauer fiel. Heute, kurz vor dem 30. Jahrestag deutscher Einheit, möchte ich etwas fragen: Warum war früher mehr Zusammenhalt?

Wie ich aus vielen Erzählungen verstanden habe, war es doch so: Weil alle zu wenig hatten – vom Baumaterial zum Beispiel oder von anderen Dingen – hat man sich gegenseitig geholfen. Um das Boot, in dem alle saßen, nicht zum Kentern bringen, war man für die anderen da. Ohne zu fragen wann, wie lange oder zu welchem Preis. Wunderbarer Zusammenhalt! Ich muss allerdings sagen, dass ich es als Kind auf dem Land im Westen nicht sehr anders erlebt habe. Und selbst meine Oma in der Großstadt stand in so einem Verhältnis mit Vielen in ihrem Viertel. Nicht mit allen natürlich; aber ich vermute, das war hier ähnlich. Früher war mehr Zusammenhalt, das gilt für Ost und für West. Auf beiden Seiten ist er scheinbar schwerer geworden. Obwohl sich gar nichts daran geändert hat: Dass wir einander brauchen. Was hindert uns also daran, das Leben weiter so zu betrachten, als säßen wir alle zusammen in einem Boot? Ob einer auch künftig mitmacht, entscheidet er oder sie doch selbst. Jeden Moment wieder neu, in dem jemand anderes um Hilfe bittet. Wie du mir so ich dir – jede Wette, dass das als positiver Prozess immer noch funktioniert.

Ich wünsche mir, dass Sie an Bord bleiben, solange es nur irgendwie geht – und Ihnen für heute eine gute Nacht! Milina Reichardt-Hahn, Pfarrerin in Fambach.


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