Grußwort von Landesbischöfin Ilse Junkermann am 20.05.2016

zur Dankeschön - Veranstaltung für Ehrenamtliche im Evangelischen Kirchenkreis Halle

Liebe Schwestern und Brüder, liebe ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kirchenkreis Halle!

Aus der Stadt Halle und aus den umliegenden Städten und Dörfern des Kirchenkreises sind Sie heute hierher zusammen geströmt. Ich freue mich sehr, heute bei Ihnen zu sein. Es ist wunderbar, zu sehen, wie viele Menschen sich in den Dienst der Kirche berufen lassen. Und mit welch großem Engagement und ebensolcher Freude Sie diese Berufung ausüben – in Ihren Gemeinden von Peißen bis Lochau, von Landsberg bis Schochwitz!

„Ihr alle seid durch die Taufe berufen“ mit diesen Worten wird die Ordination eingeleitet. Zuerst wird die ganze Gemeinde angesprochen! Alle Getauften sind gefragt! Jeder und jede hat in der Taufe eine besondere Gabe erhalten: sein und ihr Taufcharisma. Und dieses Geschenk sollen wir in die Welt tragen, mit diesem Charisma Gottes Reich in dieser Welt bezeugen. Sie alle sind berufen, mit Ihren Begabungen in der Gemeinde und Kirche Jesu Christi zu wirken. So beruft und bevollmächtigt, ermächtigt uns alle die Taufe zu einem freiwilligen Dienst, ohne den die Kirche Jesu Christi gar nicht zu denken ist.
Die Ordination beauftragt zum gleichen Dienst – allerdings als öffentlicher und geordneter Dienst. Doch davor kommt die schöne Erinnerung: ‚Ihr alle seid begabt, beauftragt und berufen’. So sind manche Profis und manche sind Amateure, manche sind dienstverpflichtet und manche freiwillig als Volunteer tätig.

„Volunteer“, so heißt im Englischen das Wort „Ehrenamtlicher“. Wörtlich übersetzt heißt das: „Freiwilliger“. Im Französischen heißt dieses Wort „Amateur“ – d.h. wörtlich übersetzt ‚Liebender“.
Das finde ich eine sehr schöne Bezeichnung für Sie alle: „Freiwillig Liebende“!
Wen oder was liebend? Gott, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat – als Mensch an unserer Seite, voller Liebe und Freundlichkeit.
Und diese Liebe hat Sie angesteckt: Diese Botschaft von Gottes großem Herzen, von seiner Barmherzigkeit, die kein Ende hat; die Botschaft: Gottes Reich ist angebrochen. Das bewegt Sie in Ihrem Herzen und das bewegt Sie zum Engagement.
Amateure, freiwillig Liebende gibt es überall in unsern Dörfern und Städten. Sie planen und beten, leihen ein Ohr und legen Hand an, singen im Chor, spielen im Posaunenchor oder leiten ihn. Sie leiten die Gemeinde als Älteste. Sie feiern mit der Gemeinde Gottesdienst, sind als Lektoren unterwegs und sammeln die Kinder fürs alljährliche Krippenspiel - und üben es auch gleich ein in der eiskalten Kirche: „Freiwillig Liebende“.

Es gibt viele Aufgaben in einer Gemeinde und sehr viele Möglichkeiten, die gute Nachricht zu verkündigen. Keiner und Keine muss alles tun, jeder soll und darf die ganz eigene Begabung einbringen. Manches wird leicht übersehen, doch auch diese Dienste sind für die Gemeinde wichtig und notwendig: Da repariert Einer ohne viel Aufhebens einen Zaun oder ersetzt den heruntergefallenen Ziegel auf dem Kirchendach. Der Nächste kümmert sich treu um den Friedhof, eine Dritte bringt Jahr für Jahr den Gemeindebrief unters Volk... Und viele von Ihnen denken nach: Wie können wir zeitgemäß das Evangelium zu den Menschen bringen? - und wagen mutig neue Schritte. Die Reihe könnte ich ohne Weiteres fortführen - die Gaben sammeln, wie Früchte in einem Erntekorb und uns daran erfreuen und DANKE sagen. Das tun wir heute und ich stimme ein in den Dank! Herzlichen Dank Ihnen für alle Liebe zum Evangelium, wie auch immer sie sich ausdrückt.

Jeder und Jede von Ihnen ist durch die Taufe zum „Priesterstand“ berufen. Vom „Priestertum aller Getauften“ wie Martin Luther aus der Bibel neu ans Licht gebracht hat.

In vielen unserer Dörfer gibt es nicht mehr selbstverständlich den Pfarrer oder die Pfarrerin vor Ort.
Besonders in den Dörfern. Aber Sie leben mitten im Dorf, sind Teil der Dorfgemeinschaft und kennen die Menschen gut. Sie sind mit Ihren Gaben und Ihrer Berufung der Pastor, der Hirte und die Hirtin, vor Ort.
Die Entwicklung unserer Kirche führt uns ganz nah an die Situation der der ersten christlichen Gemeinden in den ersten Jahrhunderten, bevor die Kirche Staatskirche wurde.
Nun, nach bald 1800 Jahren, sind wir wie damals nicht mehr Staatskirche. Die biblischen Texte über Begabt- und Berufen-Sein und die Dienste in der Gemeinde, sie sprechen ganz neu in unsere Zeit und Situation hinein.
So rücken die Amateure ganz neu in den Mittelpunkt; ganz neu, das ist mir wichtig, ganz neu, d. h. auch, dass Sie kein vorfindliches Programm zu erfüllen hätten, als Lückenbüßer für fehlende Hauptamtliche. Vielmehr als solche, die ihre Gaben einbringen und die mit ihren Gaben das Bild und das Leben in der Gemeinde prägen bestimmen und.

Zu Pfingsten in Jerusalem waren Tausende versammelt und Unglaubliches ist geschehen. Gottes Geist hat Männer und Frauen ergriffen und bewegt. Sie haben ihre Gaben entdeckt und eingesetzt. Petrus, ein blutiger Amateur, hat eine aufrüttelnde Predigt gehalten, woraufhin sich viele taufen ließen – die Geburtsstunde unserer Kirche.
Wir gehen auf ein großes Ereignis zu, auch Sie hier in Halle. 2017 erwarten auch Sie viele Gäste zum Kirchentag auf dem Weg. Da werden wir neu und mit den Reformatoren erinnert: Gott braucht seine Menschen, mitten in dieser Welt Zeugin und Zeuge seines Reiches zu sein.
„O Heilger Geist bereite ein Pfingstfest nah und fern“, das haben wir zu Pfingsten in den Gottesdiensten gesungen. Möge Gottes Geist Sie alle immer wieder beflügeln, Ihre Gaben als freiwillig Liebende in den Leib Christi einzubringen – Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!