Kirche

Sakramentsnischen dienten der sicheren Aufbewahrung der Abendmahlsgeräte, des Weines und der Hostien. Ein Relief betont die Bedeutung der Sakramentsnische. Es zeigt Maria mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoss und verbindet den Opfertod Christi mit der Abendmahlsfeier. Nach katholischem Glauben wandeln sich beim Abendmahl Wein und Brot in das wahre Blut und den wahren Leib Christi. Man nennt das die Transsubstantiationslehre. Geweihte Hostien, geweihter Wein und die Gefäße, die damit in Berührung kamen, bedürfen sorgfältiger Behandlung.

Martin Luther lehnte die katholische Transsubstantiationslehre ab und lehrte die Realpräsenz Christi im Abendmahl, die besagt, dass Jesu Gegenwart im Abendmahl nicht an Brot und Wein, sondern an die Austeilung dieser gebunden ist.
Im evangelischen Glauben sind Brot und Wein nicht geheiligt. Die Sakramentsnische verlor ihre Funktion im Gottesdienst.



Adressdaten


  • 99834 Gerstungen OT Oberellen
    Friedensteinstraße 44

Beschreibung


Die Kanzel fertigte 1669 Hans Baltasar Gräfenhan. Er fügte vier Figuren eines vorreformatorischen Altars aus der Zeit um 1480 in die Brüstungsfelder ein. Ihre Wiederverwendung zeugt von Wertschätzung.

Die Emporen tragen Bildnisse biblischer Persönlichkeiten. Eines zeigt den Evangelisten Johannes mit dem Gesicht Luthers. Im Hintergrund bestärkt die Darstellung der Wartburg die Verbindung von Evangelist und Reformator. In der Offenbarung des Johannes (14,6) fanden Verfechter lutherischer Lehren Hinweise auf Luthers Erscheinen. Martin Luther galt ihnen gar als fünfter Evangelist. Das Emporengemälde zeigt Johannes mit einem Kelch, dem eine kleine Schlange entweicht, die Gift symbolisiert, das einer Legende nach den Apostel töten sollte. Durch den Willen Gottes überlebte er den Mordversuch. Auch von Luther erzählten sich die Menschen die Legende von einem gescheiterten Giftanschlag in Worms. Die Wundererzählung um den Reformator griff die Heiligenlegende auf und verknüpfte sie zu einem Bildthema.

Die Kanzelfiguren und das Emporengemälde verdeutlichen, dass reformatorische Überzeugungen in vielen Fällen auf tradierte Glaubens- und Sehgewohnheiten stießen, mit denen sie zu neuen Bilderwelten verschmolzen.

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