Laurentiuskirche

Die relativ schlichte Laurentiuskirche der Gemeinde ist eine der ältesten erhaltenen Sakralbauten der Stadt. Sie wurde 1984 durch Brandstiftung bis auf die Grundmauern zerstört. Der vergleichsweise schnelle Wiederaufbau in den historischen Formen war für die Gemeinde eine große Bewährung und prägt sie bis heute (Der erste Gottesdienst fand bereits 1989 statt, die neue Hüfken-Orgel wurde 1997, das neue Geläut 2002 eingeweiht). Die Laurentiuskirche wird außer von der eigenen Gemeinde u. a. gern von der Universitätsgemeinde (Akademische Gottesdienste), der Evangelischen Studierendengemeinde und für kirchenmusikalische Veranstaltungen genutzt. Die Kirche wird von einem seit nahezu 900 Jahren genutzten, sehr schönen Friedhof umgeben, auf dem sich viele Ehrengräber von bekannten Wissenschaftlern und Künstlern befinden. Eine Reihe historischer Grabsteine in und an der Kirche und auf dem Friedhof sind von großem Wert.



Adressdaten


Daten & Fakten


  • Baujahr: Die Kirche wurde zwischen 1134 und 1142 geweiht
  • Baustile: Seit ihrer Errichtung als schlichte romanische Kirche erfolgten mehrfache Umbauten, Erweiterungen und Ergänzungen. Währende der Turm noch seine romanische Form erhalten hat, läßt das Äußere des Kirchenschiffes besonders barocke Elemente erkennen. Das Inn
  • Besonderheiten: Die Kirche und der sie umgebende, annähernd 900jährige, noch heute genutzte Friedhof lagen etwas außerhalb der Amtsstadt Neumarkt in unmittelbarer Nähe zum ehemals bedeutenden Augustiner Kloster Neuwerk. Dieses wurde um 1525 unter Kardinal Albrecht abgerissen und ist heute völlig verschwunden. In der Gründerzeit errichtete Villen des Mühlwegviertel wurden und werden durch die räumliche Nähe zur Universität gern von den dort beschäftigten Professoren bewohnt. Das ist ein Grund dafür, dass sich auf dem Friedhof sehr viele Ehrengräber befinden und die Kirche gern von der Universitäts- und der Evang. Studierendengemeinde genutzt wird. Dank der musikalischen Tradition in der Gemeinde und der guten Akustik der Kirche finden hier neben Gottesdiensten häufig Konzerte statt. Eine bedeutende Rolle spielte im Dritten Reich die klare Haltung der Lauretiusgemeinde und ihre Pfarrer in ihrer Anbindung an die Bekennende Kirche.
  • Öffnungszeiten Sommer: 1.5.-26.9.15, Sa 15-18 Uhr

Profil


Gottesdienst - Bei uns findet regelmäßig Gottesdienst statt. Bibel zur Lektüre - Bei uns liegt eine Bibel zur Lektüre aus. Kirchenführer - Wir bieten einen gedruckten Kirchenführer. Veranstaltungen - Wir führen besondere Veranstaltungen durch (z.B. Konzerte oder Ausstellungen). behindertengerecht - Wir sind auf behinderte Menschen eingestellt. Rad- oder Wanderweg - Wir liegen an einem Rad-/wanderweg. Trinkwasser - Bei uns gibt es Trinkwasser in der Nähe. Toilette - Im Umkreis von 100m finden Sie eine öffentliche Toilette.

Beschreibung


Von der mitten im Friedhof gelegenen, ursprünglich romanischen Kirche ist allein der Westquerturm mit Satteldach in der wohl ursprünglichen Form erhalten geblieben. Im oberen schmaleren Turmteil sind die typischen romanischen Schallöffnungen in Form einer Doppelarkade zu finden, deren Säule mit einem Blattkapitell geschmückt ist. Im Jahr 1570 wurde die Kirche nach Osten verlängert und mit einem dreiseitigen Chorabschluß versehen. Gleichzeitig überwölbte man das Innere mit einer hölzernen Tonne. Diese war, wie bei der Restaurierung im Jahr 1962/63 festgestellt wurde, mit einem seltenen spätgotischen Schlingrippengewölbe (Ziergewölbe) ausgemalt.
Eine weitgehende Umgestaltung der Kirche, die noch heute ihr äußeres Erscheinungsbild prägt, erfolgte 1690. An der Südseite wurde sie um Seitenkapellen erweitert sowie die Nordwand mittels einer Pfeilerreihe geöffnet und ein Seitenschiff angebaut, das 1751 um eine Empore erhöht wurde. Besonders prägnant ist die elegante Gliederung der Außenwände durch ovale Rundfenster. Im 19. Jahrhundert erfolgten weitere Renovierungen und Umbauten der Kirche, die zum Teil erforderlich waren, um mehr Raum zu gewinnen. Mit der Expansion der Stadt auf Grund des wirtschaftlichen Wachstums seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde stark an. Im Jahr 1854 zählte sie 3.300 Glieder, 1882 waren es bereits 13.000. Damit wurde es notwendig, ein weiteres Gotteshaus, die St. Stephanus Kirche, zu bauen und einen Teil der Gemeinde auszupfarren. Nur 74 Jahre nach der Weihe der St. Stephanus Kirche wurde diese 1967 als Depot der Universitätsbibliothek profaniert und ihre Gemeinde wieder Teil der Laurentiusgemeinde.
Beim Betreten der Laurentiuskirche wird man vom weiträumigen Innenraum, der zweischiffigen Halle, überrascht. Der Raum wird von einer schlichten hölzernen Tonne überwölbt, die Wände sind glatt verputzt und weiß, an der Südseite sind mittelalterliche Grabplatten eingelassen. Diese fand man bei der Restaurierung im Jahr 1962/63 unter dem Kirchenfußboden.
In dem um zwei Stufen erhöhten Chorraum ist an der Wand hinter dem Altar ein Kreuz angebracht, das aus verbrannten Dachbalken gefertigt wurde. Es erinnert daran, dass die Kirche am 16. November 1984 durch Brandstiftung bis auf die Außenmauern niederbrannte und die gesamte Innenausstattung einschließlich Altar und Orgel zerstört wurden. Selbst die beiden Bronzeglocken von 1467 und 1602 erlitten irreparablen Schaden. Sie befinden sich heute, neben anderen Erinnerungsstücken an den Brand, in einem zugänglichen Raum hinter dem Kirchenschiff.
Durch das Engagement der Gemeinde und viel Hilfe von außerhalb konnte das Gotteshaus wieder aufgebaut werden. Am 5. Oktober 1991 wurde der erste Gottesdienst wieder in der Kirche gefeiert.
Von der alten Ausstattung konnte allein die Sandsteintaufe von 1478 trotz enormer Schäden restauriert werden. An deren Außenwand ist der Namensheilige der Kirche, der Hl. Laurentius, dargestellt. In der rechten Hand hält er sein Marterinstrument, den Rost, und in der Linken die Siegespalme. Eine hölzerne Laurentiusfigur von 1869, die mit einem bereits 1961 wieder entfernten Gesprenge den Altar zierte, ist dank ihrer Archivierung erhalten geblieben und grüßt nach ihrer Restaurierung von der Südwand der Kirche.
Die neue mechanische Orgel von Hüfken, Halberstadt, mit 24 Registern und mehr als 1400 Pfeifen sowie ihrem wirkungsvollen asymmetrischen Gehäuse wurde ab April 1993 in 3 Bauabschnitten errichtet und am 19. Januar 1997 vollständig übergeben und eingeweiht. Sie dient seitdem, neben dem sonntäglichen Orgelspiel, auch der Ausbildung von Kirchenmusikern.
Am Ostermontag 2002 konnten die drei neuen, in der Kunstgießerei Lauchhammer gegossenen Bronzeglocken „Osanna“, „Maria“ und „Laurentius“ mit der Tonfolge f1 – g1 – a1 feierlich in den gottesdienstlichen Gebrauch genommen werden. Gestaltet wurden sie nach Entwürfen von Jörg-Tilmann Hinz aus Domnitz.