Andacht am Sonnabend, 20. Mai 2017, Ankunft Europäischer Stationenweg in Lutherstadt Wittenberg

Auslegung zu Lk 5, 1-6.10.11

 

Votum: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Begrüßung:

Welcome! Herzlich willkommen hier im Torraum „Welcome“. Der Turm heißt alle willkommen, die hier in Lutherstadt Wittenberg am Bahnhof ankommen.

Welcome! Der Turm lädt zum Perspektivwechsel ein: Steig hinauf, und du siehst die Welt neu.

Der Turm hat die Gestalt einer Bibel. Begib Dich hinein – und Du siehst Dich neu. Der Bibel-Turm lädt zum Perspektivwechsel ein: Mensch, sieh über Dich hinaus, sieh auf Gott, sieh Dich in Gottes Augen als Gottes Ebenbild. Das macht Deinen Wert und Deine Würde aus – die kann Dir niemand nehmen; und: Du musst sie Dir nicht erarbeiten oder verdienen: Du bist wer, du bist einzigartig. Sieh über Dich hinaus, sieh auf Gott. In der Bibel findest Du sein Willkommen an Dich!

Und Welcome! Das sagen wir heute zum Geschichtenmobil! Willkommen in Wittenberg, Du Reformationstruck und Ihr vom Team! Nun seid Ihr hier angekommen, von wo die lutherische Reformation ausgegangen ist. Ein gutes halbes Jahr war das Geschichtenmobil unterwegs auf dem Europäischen Stationenweg durch 19 Länder. In 67 Städten hat es Geschichten der Reformation gesammelt: Geschichten über die Reformation damals vor 450 bis 500 Jahren. Geschichten über den Perspektivwechsel, den der Blick in die Schrift in der jeweiligen Stadt bewirkt hat. Und: Geschichten dazu bringt Ihr mit, welcher  Perspektivwechsel ist heute dran? Spannend und vielfältig sind diese Geschichten, die dieser himmelblaue Truck mitbringt! Ein Netz von Geschichten, Geschichten, die das alte Europa in neuem Licht zeigen. Herzlich willkommen! Wittenberg heute ist die letzte Station.

Doch eine wirkliche Endstation ist es nicht. Der Torraum Welcome lädt ein: Brich auf, und du siehst die Welt neu. Die Perspektive wechseln, davon lasst uns singen mit dem Lied „Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde.“

 

Lied: Wo Menschen sich vergessen, Str. 1-2

Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

 

Lesung: Lk 5, 1 – 6. 10. 11

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.

2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.

3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.

4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!

5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.

6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.

7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.

8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.

9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,

Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.

11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

 

Auslegungsimpulse

„Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.“ Ein Satz aus der Bibel; ein Satz, der hilft, die Perspektive zu ändern. Ein Satz, so alltäglich, dass keiner ahnt: am Ende der Geschichte gehen die Fischer aus ihrem alten Leben weg in ein neues; von Fischern werden sie zu Jüngern, zu Nachfolgern Jesu.

Als Fischer fischt man nicht immer. Ein Fischer steigt auch aus vom Boot, ja, steigt einmal aus, ein Aussteiger, damit er weiter fischen kann. Er steigt aus und wäscht seine Netze. Auch wenn er müde ist und erschöpft von einer Nacht voller Arbeit – die Netze müssen noch gewaschen werden. Auch wenn die ganze Nachtarbeit um sonst war,

nun waschen sie am Ufer ihre Netze – das ist der ganz normale Alltag – immer weiter machen, was hilft’s?

 

„Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.“

Warum wird das erwähnt? Die Netzpflege?

Netze waschen, das müssen Jesu Jünger können.

Netze waschen, auch wenn die Nacht erfolglos war und alle Mühe und Geduld nichts gebracht hat, nichts Nahrhaftes, Stärkendes, nichts Lebensdienliches.

Netze waschen, weil sich vieles im Netz verfängt, auch im Netz des christlichen Europa, von der Reformation vielfältig geprägt.

Ja, im Netz Europa hängt viel Tang, Tag der Gier; und Scherben sind da, Scherben, die die Abschottung anrichtet. So viele Menschenleben brechen und zerbrechen an der Festung Europa.

Netze waschen, das müssen Jesu Jünger können, waschen von der Angst zu verlieren, wenn wir teilen; waschen auch von den Spuren von Hass und Hetze gegen „die anderen“, gegen Fremde.

Ja, Netze waschen, das müssen Jesu Jünger können, gut, das der Evangelist Lukas uns das erzählt.

 

Und ein 2. müssen sie können, was Fischer gelernt haben: Netze flicken. Damit Menschen nicht durch die Maschen rutschen oder fallen, weil die Löcher zu groß geworden sind, weil die Fäden der Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit zu dünn geworden sind. Das Netzwerk Europa flicken, verstärken – in Erinnerung an die frühere Geschichte – damit in diesem Netzwerk Europa nicht nur die Ökonomie stark ist und der Euro.

Netze flicken und verstärken, das müssen Jesu Jünger können: Fäden und dicke Taue einziehen, der Liebe, der Gottesliebe, die mich zur Liebe des Nächsten führt, zu Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit. Ich bin gespannt auf die Geschichte, die das Geschichtenmobil mitbringt, mit denen sie dieses Netz gestärkt hat.

 

Und ein 3. müssen Jesu Jünger können: Auf Jesu Wort hören, sich Jesu Wort gefallen lassen; ihr eigenes Lebensnetz waschen lassen und stärken; weil auch darin sich viel Unnützes und Schädliches verfängt, immer wieder: Angst und Furcht um sich selbst, um die Bedeutung der Kirche in unseren Gesellschaften; auch Konkurrenz und größer als andere sein wollen – sich deshalb Jesu Wort der Versöhnung gefallen lassen, auch das müssen Jesu Jünger können.

Und schließlich: Auf sein Wort hören und trauen, auf sein Wort hin aufbreche, ganz ungewöhnliches tun, das, wozu er ruft.

Und dann, ganz neu: aus dem alten Leben herausgehen, auch aus dem alten Leben als Kirche,  neue Wege wagen, in seiner Nachfolge unterwegs sein und den Perspektivwechsel wagen: Gott braucht uns, Jesus ruft uns, am Netzwerk der Liebe, der Gerechtigkeit, des Friedens zu knüpfen. Er stärke uns darin. Amen.

Gebet:

Herr Jesus Christus, wenn wir auf unser Lebensnetz schauen, es sortieren, wenn wir es waschen und flicken, dann komm und sei dabei.

Wenn du uns zum Aufbruch rufst, dann hilf uns, aufzustehen und mutige Schritte zu gehen.

Verbinde Du unsere unterschiedlichen Geschichten und webe deine Geschichte hinein mit dem Band der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens.

Gemeinsam beten wir weiter mit den Worten, die Jesus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser

Segen

Lied:
Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden, und neu
beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.