Erprobungsräume

Am 22. November 2014 gab die Landessynode der EKM dafür den Startschuss:

Neue Formen von Gemeinde sollen die bisherigen ergänzen - nicht nur dort, wo Christen schon immer sind. Sie sollen die kirchendistanzierten Zeitgenossen aufsuchen, wo sie heute leben. Und dort als Christen mit ihnen unterwegs sein.

Denn viele bisherigen Gemeinden schrumpfen. Zu wenig Kinder werden geboren und wachsen im christlichen Glauben auf. Viele Einwohner verlassen die ländlichen Regionen. Zurück bleiben oft die Älteren. Die Kultur und Sprache der Christen ist vielen fremd geworden.

Und dennoch finden Menschen zum christlichen Glauben – dort wo sie in ihrer Welt Christen begegnen, die ihnen Aufmerksamkeit und Wertschätzung schenken, die ihre Sprache sprechen und ihren Alltag teilen und unter ihnen als Christen erkennbar leben und dienen.

Ihre Formen oder Ansätze von Gemeinde sehen aber oft anders aus. Sie spiegeln in ihrer Sprache und ihren Formen das Milieu ihrer Umgebung - ohne die christliche Botschaft und die christlichen Werte zu verwässern. Die Nähe zu den einzelnen Menschen spielt eine entscheidende Rolle.

Schnelle allgemeingültige Rezepte, wie so etwas funktioniert, gibt es dabei aber nicht. Sie müssen jeweils vor Ort gefunden werden, zusammen mit denen, die man erreichen möchte.

Dazu hat die Landessynode der EKM 2014 neue Freiräume eröffnet - Erprobungsräume.

Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, formulierte damals:
„Es braucht die Freiheit, Abschied zu nehmen von den Bildern, wie Gemeinde sein soll, was alles zu ihrem ‚Programm‘, zu ihrem Zeugnis und Dienst gehört und wie sie organisiert und strukturiert werden muss.
(…) als zweites die Freiheit, sich auf den Weg zu machen. Noch gibt es keine festen Bilder, gar fertige Pläne oder Programme für einen solchen Umbau. Und es ist fraglich, ob es die überhaupt geben kann. Immer stärker zeigt sich, dass die Menschen vor Ort entscheiden müssen, was der nächste Schritt ist. Es ist an ihnen, ‚Gemeinde neu zu finden‘.“


Das Ziel der Erprobungsräume in unserer EKM ist also das Finden und Gehen neuer Wege, Gemeinde und Kirche zu sein. Diese haben für die künftige Entwicklung in unserer Landeskirche eine modellhafte Bedeutung.  

Kirche passt sich also veränderten Rahmenbedingungen am besten an, wenn Neues ausprobiert wird. Es wird nicht theoretisch an Konzeptionen gearbeitet, sondern an verschiedenen Stellen machen Menschen neue Erfahrungen. Es geht darum, diese zu entdecken, zu sammeln, zu evaluieren, bekanntzumachen. Dabei wird man auch aus Fehlern klug.

Es gilt zuzulassen und zu bejahen, was Gottes Geist wecken und wachsen lassen möchte. Und es gibt sie durchaus, Menschen mit Leidenschaft und Vision, die Gott gern benutzt, um den Funken überspringen zu lassen.

Seit dem Jahr 2016 haben Kirchengemeinden, Kirchenkreide, Vereine und Einzelinitiativen über einhundert Anträge auf Anerkennung eines Erprobungsraumes eingereicht. Davon sind über fünfzig positiv beschieden worden.  Sie werden auf verschiedene Weise fachlich und juristisch begleitet, teilweise finanziell unterstützt und evaluiert.

Bei dem Auswahlprozess achtete die Steuerungsgruppe Erprobungsräume vor allem auf folgende sieben Kriterien:

  1. In ihnen entsteht Gemeinde Jesu Christi neu.
  2. Sie überschreiten die volkskirchliche Logik an mindestens einer der folgenden Stellen: Parochie, Hauptamt, Kirchengebäude.
  3. Sie erreichen die Unerreichten mit dem Evangelium und laden sie zur Nachfolge ein.
  4. Sie passen sich an den Kontext an und dienen ihm.
  5. In ihnen sind freiwillig Mitarbeitende an verantwortlicher Stelle eingebunden.
  6. Sie erschließen alternative Finanzquellen.
  7. In ihnen nimmt gelebte Spiritualität einen zentralen Raum ein.

Was wird aus den bisherigen Gemeinden? Alte und neue Formen ergänzen und fördern einander! Die Innovationsfreude der Hinzugekommenen verhilft auch bisherigen Gemeinden oft zu neuem Profil. Ortsgemeinden und neue Weisen von Kirche sind keine Konkurrenten. Sie sind verschiedene Ausdrucksformen, durch die das eine Reich Gottes im heutigen Leben Gestalt gewinnen will.

Näheres zu den sieben Kriterien, den bisher anerkannten Erprobungsräumen, dem Gesamtprozess und aktuellen Themen findet sich auf der Website www.erprobungsraeume-ekm.de


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