PM 66 | 07.06.2005
Bischof Kähler: Europäische Identität hat religiöse Grundlagen

Landesbischof Kähler in Bratislava: Kirchen sind in der Pflicht, auf die religiösen Grundlagen der europäischen Identität hinzuweisen

Christoph Kähler, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, sieht die Kirchen im europäischen Einigungsprozeß in der Pflicht, auf die religiösen Grundlagen der europäischen Identität und Kultur hinzuweisen. Hier läge das Fundament der Demokratie und eines „wirklich toleranten Umgangs verschiedener Überzeugungen, verschiedener Völker und Volksgruppen untereinander“, sagte Kähler am Samstag (13.9.) bei einem Treffen von Synodalen der Evangelischen Kirchen der Slowakei und Württembergs und der Thüringer Landeskirche in Bratislava. Durch die Vergewisserung gemeinsamer Grundlagen sei die Demokratie besser zu schützen.

So basiere das Recht zur Beteiligung der Menschen an der Lenkung der eigenen Geschicke auf dem Axiom der Gleichwertigkeit aller Menschen und dieses auf der Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Die Grundlage jeder Toleranz, so der Bischof, sei in der Geschwisterlichkeit angelegt, zu der Jesus die Menschen aufgerufen habe. Dazu gehöre auch, daß „kein Mensch sich auch nur versuchsweise an die Stelle Gottes setzen und andere Menschen zum Objekt degradieren darf“. Schließlich ergäbe sich die notwendige Kontrolle von Macht ganz selbstverständlich aus der christlichen Auffassung der „Versuchlichkeit und Sündigkeit jedes Menschen“.

Kähler betonte auch die aktive Rolle der Kirchen in der DDR und der Slowakei für die „samtene und friedliche Revolution“, in deren Folge die europäische Einigung in Gang gekommen sei. Dankbar sei er, daß heute die Wirklichkeit bestimme, wofür die Kirchen gekämpft hätten, wie die demokratische Partizipation an Entscheidungen und die Kontrolle der Macht durch Wahlen und unabhängige Gerichte.

Vom 11. bis 14. September tagen in Bratislava zum ersten Mal Kirchenparlamentarier der seit zehn Jahren partnerschaftlich verbundenen Kirchen der Slowakei und Württembergs und der Thüringer Landeskirche. Das Treffen steht unter dem Motto „Die Rolle der Kirche in einer europäischen Zivilgesellschaft“. Anlaß für die Themensetzung ist der Beitritt der Slowakei zur Europäischen Union im Mai 2004. Die Drei-Kirchen-Partnerschaft, die auf Kontakte bis in die 60er Jahre zurückgeht, gilt in der EKD als einmalig.

Vortrag vor Synodalen aus der Slowakei, Thüringen und Württemberg am 13. September 2003 in Bratislava: Theologie und Kirche inmitten gesellschaftlicher Veränderungen.pdf

Bei Rückfragen:
Ralf-Uwe Beck, 03691-212887 oder 0172-7962982


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