Bischöfin Junkermann: "Brauchen dynamisches Heimatverständnis"

Erfurt (epd). Die mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann kritisiert den Missbrauch des "Heimat"-Begriffes durch Populisten und Extremisten.

Insbesondere seit der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 gewännen diese mit dem Begriff viele Menschen, sagte Junkermann laut Redemanuskript am Mittwoch auf dem Adventsempfang der evangelischen Kirchen im Erfurter Augustinerkloster.

Es erstaune sie nicht wirklich, welchen Stellenwert das Thema "Heimat" bei den Menschen laut des jüngsten Thüringen Monitors habe, so die Bischöfin. Damit werde Vertrautes aktiviert. Bei "Heimat" denke man: "Da bin ich zu Hause, da komme ich her, da fühle ich mich wohl, da ist man mir wohlgesonnen." Weil aber auch dem Einfältigsten auffalle, dass es diese heile Welt gar nicht gebe, müssten vermeintliche Störungen abgewehrt werden. "Deshalb wird ein Schutzraum versprochen, nur für die Einheimischen", sagte Junkermann. Das sei unweigerlich verbunden mit massiver Ausgrenzung und Abwehr dessen und derer, die vermeintlich nicht hinzugehörten.

Die Bischöfin sprach sich für ein "dynamisches" Heimatverständnis aus, das sich am einzelnen Menschen orientiere. Es müsse die Probleme, Beschwernisse und Bedürfnisse von Menschen im 21. Jahrhundert beim Namen benennen. Dabei sei "Heimat" zuvörderst als Beziehungsgeflecht zu verstehen; als einen Ort, der Emotionen binde. Dabei zeige sich dieser Heimatbegriff geschichtsbewusst und zugleich an der Zukunft orientiert. Damit ist er nach Auffassung Junkermanns nicht zuletzt "offen für Fremdes, Neues, Anderes."

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