Entwicklungswerke verlangen drastische Reduzierung des Autoverkehrs

Berlin/Aachen (epd). Ein zügiges Ende des Verbrennungsmotors und eine drastische Reduzierung der in Deutschland zugelassenen Autos fordert eine neue Studie der kirchlichen Entwicklungswerke Brot für die Welt und Misereor.

Ein rascher Umstieg auf Elektromotoren sei zwar "dringend geboten", werde aber viele Nachhaltigkeitsprobleme nicht lösen, erklärten die Hilfsorganisationen am Freitag in Berlin und Aachen. Elektroautos mit Akkus seien zwar ökologisch die derzeit beste Alternative zu Benzinern und Dieselfahrzeugen, aber auch sie verbrauchten endliche Rohstoffe in hohen Mengen.

Neben den klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen entstünden durch die Verbrennungsmotoren große Mengen von Stickoxiden und Feinstaub, hieß es. Dies führe zu erheblichen Gesundheitsbelastungen und Umweltschäden, unter denen global wie auch in Deutschland vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen litten. Daher sei die Abkehr vom Verbrennungsmotor "aus Gründen der Umwelt- und Klimagerechtigkeit dringend geboten", betonten die Herausgeber der Studie "Weniger Autos, mehr globale Gerechtigkeit".

Problematisch sei auch der hohe Ressourcenverbrauch bei der Herstellung von Autos, hieß es. Auch für die Produktion von Akkus und Elektromotoren werden demnach Kupfer und Stahl, aber auch Spezialmetalle wie Kobalt, Lithium, Graphit und Nickel benötigt, deren Verbrauch drastisch ansteigen werde. In der Demokratischen Republik Kongo, wo Kobalt mehrheitlich gewonnen wird, komme es durch den Abbau zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen sowie zum Einsatz von Kinderarbeit. In Lateinamerika entstünden durch den mit hohem Wasserverbrauch verbundenen Lithiumabbau Dürren und Versalzung der Böden, indigenen Gemeinschaften werde ihre Lebensgrundlage entzogen.

Eine Umstellung der gesamten deutschen Autoflotte auf den Antrieb mit Elektromotoren könne aus entwicklungspolitischer Sicht nicht die Lösung sein, erklärten Brot für die Welt und Misereor. Vielmehr müsse der systematische Vorrang des Autos in der Stadtplanung, der Straßenverkehrsordnung und bei der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur beendet werden. Die Hilfswerke forderten einen Ausbau und eine attraktivere Gestaltung von Alternativen zum Autoverkehr sowie mehr Car-Sharing-Angebote und ein konsequentes Recycling.

Verbleibende Autos sollten deutlich kleiner, leichter und elektrisch angetrieben sein. Für noch benötigte Rohstoffimporte solle der Gesetzgeber menschenrechtliche, soziale und ökologische Sorgfaltspflichten festschreiben, erklärten die Entwicklungsorganisationen. Die Studie "Weniger Autos, mehr globale Gerechtigkeit" haben Misereor und Brot für die Welt gemeinsam mit der Nichtregierungs-Organisation PowerShift.

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Stau epd bild Gustavo Alabiso