Friedensgebete und Glockenläuten in Köthen | Politik und Kirche rufen nach gewaltsamem Tod eines Mannes zu Besonnenheit auf

Köthen (epd). Nach dem gewaltsamen Tod eines 22-jährigen Deutschen im sachsen-anhaltischen Köthen haben Vertreter aus Politik und Kirche Besonnenheit angemahnt. Die Zivilgesellschaft sei aufgerufen, sich durch die Gewalttat nicht instrumentalisieren zu lassen, sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, am Sonntagabend dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Zugleich betonte er, dass die Köthener Stadtbevölkerung um den jungen Mann trauere. "Die Stimmung ist gedrückt", sagte der Kirchenpräsident.

Wie die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau und die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost am Sonntag mitteilten, war der junge Mann am Samstagabend gewaltsam ums Leben gekommen. Zwei Afghanen seien wegen des Anfangsverdachts eines Tötungsdeliktes festgenommen worden. "Die Befragungen und Ermittlungen dauern an und werden in alle Richtungen geführt", betonten Staatsanwaltschaft und Polizei. Anlass und konkrete Umstände des Geschehens seien derzeit noch nicht bekannt.

Zuvor hatte die Tageszeitung "Die Welt" über den Vorfall berichtet. Demnach soll es zu einer Auseinandersetzung zwischen den zwei Afghanen und zwei Deutschen gekommen sein. In deren Folge sei einer der beiden Deutschen gestorben. Als Todesursache sei eine Hirnblutung festgestellt worden, berichtet die Zeitung. Eine Obduktion sollte weitere Erkenntnisse liefern.

Laut der Zeitung sei die Polizei wenige Minuten nach dem Vorfall am Tatort gewesen. Zwei Afghanen seien festgenommen worden. Das Opfer sei zunächst noch in ein Krankenhaus gebracht worden, wo ihn sein Bruder aufsuchte. Bei diesem Bruder handelt es sich der "Welt" zufolge um einen vorbestraften rechtsextremen Intensivtäter.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) betonte: "Der tragische Tod des jungen Mannes geht mir sehr nahe, und ich bedauere das Geschehene zutiefst." Der Minister sprach den Hinterbliebenen sein aufrichtig empfundenes Mitleid aus. Weiter erklärte der Innenminister, dass die Ermittlungen zu den Geschehnissen in enger Abstimmung mit Justiz und Polizei liefen. "Ich habe vollstes Verständnis für die Betroffenheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Dennoch bitte ich um Besonnenheit", betonte Stahlknecht. Alle Mittel des Staates würden konsequent eingesetzt.

"Unsere Gebete und Gedanken sind bei dem Opfer und seinen Angehörigen", sagte Kirchenpräsident Liebig. Zugleich rief er zu Besonnenheit auf: "Das schreckliche Ereignis muss mit Umsicht aufgeklärt werden. Jede politische Instrumentalisierung ist abzulehnen und würde zu einer Eskalation führen, die schreckliche Folgen haben könnte."

Die Landeskirche Anhalts und die Köthener Kirchengemeinden hatten kurzfristig am Sonntagnachmittag zu einer Trauerandacht in die Köthener St.-Jakobskirche eingeladen, an der mehrere hundert Menschen teilnahmen. Mit minutenlangem Glockenläuten und Kerzen wurde des getöteten Mannes gedacht. Liebig kündigte an, dass ab Montagabend täglich um 17 Uhr Friedensgebete in der Jakobskirche in Köthen stattfinden werden. Zudem wurden in der Kirche Spenden für die Familie des Todesopfers gesammelt.

Angesichts der zu erwartenden Demonstrationen berichtete Liebig von einer erhöhten Polizeipräsenz in der Stadt. Niemand wolle, dass aus Köthen ein zweites Chemnitz werde, sagte Liebig mit Blick auf die teilweise gewaltsamen Ausschreitungen bei rechtsgerichteten Demonstrationen nach dem Tod eines 35-jährigen Deutschen in Chemnitz vor zwei Wochen. Drei Asylbewerber sind hier dringend tatverdächtig.

"Ein Mensch ist gestorben, das ist eine Tragödie. Nicht die Nationalität des Mannes darf jetzt im Mittelpunkt stehen, sondern das Mitgefühl mit den Angehörigen und die Aufklärung der Tat", erklärte der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Jörg Schindler, am Sonntag nach dem Vorfall in Köthen. Auch er betonte, dass rechtsextreme Aufmärsche und gewaltsame Ausschreitungen wie in Chemnitz verhindert werden müssen. Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) reagierte auf Twitter mit den Worten: "So Traurig. Ein Mensch ist gewaltsam zu Tode gekommen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen." Weiter betonte Möbbeck: "Gewalt ist immer und überall zu verurteilen. Zeit für Trauer. Zeit für Besonnenheit. Passt aufeinander auf."

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