09.06.2020
Gespräche zur Zukunft von Thüringens Schulen in freier Trägerschaft

Weimar/Erfurt (epd). In Thüringen sollen in dieser Woche die Gespräche zur Zukunft der Schulen in freier Trägerschaft beginnen.

Es sei bedauerlich, dass in diesem Zusammenhang ein fachlich nicht hinreichend fundierter Bericht ins Kabinett und von dort direkt an die Presse gelangt sei, reagierte die Evangelische Schulstiftung am Montag auf einen Zeitungsbericht. Danach würden die Zahlungen des Landes an die Schulen in freier Trägerschaft als ausreichend angesehen, zitierte die "Thüringische Landeszeitung" (Montag) aus dem Papier. Nachsteuerungsbedarf würde sich nach dieser Darstellung nur bei einigen Schularten und -formen ergeben.

Es ist nicht die einzige schlechte Nachricht im Bericht für die freien Schulträger, die sich seit Jahren unterfinanziert und diese Auffassung auch durch Gutachten bestätigt sehen. Perspektivisch spreche der Bericht sogar davon, dass Millionen Euro eingespart werden könnten, schrieb die Zeitung. Voraussetzung wäre eine Neuberechnung der an den staatlichen Schulen entstehenden Kosten. Im Resultat wäre eine Reduzierung der Zuschüsse an die freien Träger in Höhe von 42 Millionen Euro möglich. Es werde aber auch eine andere Variante geprüft. Bei der Fortschreibung der Schülerkostenjahresbeträge mit der bisherigen Berechnungsmethode entstünde dem Land ein Mehraufwand von etwa 21 Millionen Euro.

Vor den avisierten Gesprächen wollte die Landesarbeitsgemeinschaft der freien Schulträger (LAG) kein weiteres Öl ins Feuer gießen. "Wir halten uns an die mit dem Bildungsminister getroffene Verabredung, zu diesem Zeitpunkt keine öffentliche Debatte übereinander zu führen, sondern das Fachgespräch miteinander zu suchen", sagte eine Sprecherin der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland dem Evangelischen Pressedienst (epd). Man gehe mit Zuversicht und Entschlossenheit in diese Gespräche. Die LAG werde sich aber auf das von ihr in Auftrag gegebene Experten-Gutachten des Instituts für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw) in Halle als wissenschaftlich fundierte Grundlage beziehen, fügte die Sprecherin hinzu.

Die im Sommer 2019 vorgelegte Studie zeichnet ein ganz anderes Bild. Danach müssen Thüringens freie Schulen jährlich auf etwa 70 Millionen Euro aus der Landeskasse verzichten. Hauptstreitpunkt: Die vom Erfurter Ministerium verwendeten Zahlen bilden aus Sicht der isw-Experten nicht alle Kosten adäquat ab, die den staatlichen Schulen in der Vergangenheit tatsächlich entstanden sind. Nun wächst die Sorge, das Ministerium wolle die Kosten noch kleiner rechnen.

"Die Schulen in freier Trägerschaft sind unterfinanziert. Die Gerechtigkeitslücke zwischen der Finanzierung staatlicher und freier Schulen ist in den letzten Jahren zu groß geworden, eine deutliche Nachbesserung ist notwendig", erkannte Marco Eberl, einer der Koordinatoren der LAG und Vorstand bei der Evangelischen Schulstiftung nach der Veröffentlichung des Gutachtens. Diese Unterfinanzierung hätten nicht zuletzt die Eltern über ein gestiegenes Schulgeld ausgleichen müssen.

Von den etwa 246.000 Thüringer Schülern besuchen laut Bildungsministerium 27.100 Kinder und Jugendliche eine der 168 freien Schulen. Das sind elf Prozent. Dazu zählen Einrichtungen der beiden Kirchen, Alternativ- und Waldorfschulen.

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