02.07.2019
Naumburger Dom feiert ein Jahr Welterbe | Unesco-Titel zieht Besucher an - Welterbezentrum geplant

Naumburg (epd). Der Naumburger Dom blickt auf ein Jahr Unesco-Welterbe zurück: Mit einigen Neuerungen im Service haben sich die Vereinigten Domstifter nach eigenen Angaben auf das seitdem deutlich gewachsene Interesse an dem Denkmal eingestellt. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Besucherzahlen um mehr als 20 Prozent gestiegen, sagte der Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter, Holger Kunde am Montag in Naumburg.

Im ersten Halbjahr 2019 seien bereits mehr als 60.000 Gäste in den Naumburger Dom gekommen. Ein Welterbe-Informationszentrum soll in den kommenden Jahren gegenüber dem Dom entstehen.

Künftig werde mit mehr als 150.000 Besuchern pro Jahr gerechnet, sagte Kunde. Auch die Zahl der internationalen Besucher sei gestiegen. Der Oberbürgermeister der Stadt Naumburg, Bernward Küper (CDU), sagte, auch die Stadt habe vom Unesco-Titel mit mehr Buchungen bei Gruppenreisen profitiert. Nur bei den Stadtführungen sei ein Minus verzeichnet worden, vermutlich zugunsten von Besuchen im Dom. Die Stadt will sich künftig auch stärker auf ausländische Gäste einstellen und unter anderem ein mehrsprachiges Leitsystem installieren.

Für weitere Angebote wolle man sich auch Anregungen aus Regensburg holen, sagte Küper: "Jetzt gilt es, das Welterbe zu schützen und zu vermitteln." Die Stadt habe immer "an die Einzigartigkeit, an das Herausragende, an das Besondere des Naumburger Doms geglaubt und bei allen Steinen, die im Weg lagen, nicht aufgegeben", sagte der Oberbürgermeister. Dies habe sich schließlich ausgezahlt.

In dem geplanten Welterbe-Informationszentrum sollen unter anderem eine Ausstellung zum Welterbe-Antrag und zur Saale-Unstrut-Region gezeigt werden. Derzeit laufen die Fördermittelanträge, sagte Kunde. Es werde von einer Gesamtinvestitionssumme von sieben bis acht Millionen Euro ausgegangen. Mit einer Fertigstellung des Projektes sei 2023 oder 2024 zu rechnen. Wenn die Anträge bewilligt werden, könnte Ende des Jahres mit den konkreten Planungen begonnen werden.

Bereits überarbeitet wurde den Angaben zufolge ein Audioguide für die Besucher des Doms. Zudem entstand ein neuer Wegweiser, der durch den Dom und den Domgarten führt. Die Vereinigten Domstifter hätten auch die zusätzliche Internetseite visituta.com entwickelt, die ab August auch in Englisch verfügbar sein soll. Ab September sollen die Glasfenster am Ostchor restauriert werden. Die Arbeiten an den Fenstern des Westchores sollen bereits bis zum Jahresende abgeschlossen werden.

Für die Aufnahme des Naumburger Doms in die Unesco-Welterbeliste hatte es drei Anläufe gebraucht. 2015 und 2017 waren die vorangegangenen Bewerbungen gescheitert. Mit dem Naumburger Dom gibt es fünf Welterbestätten in Sachsen-Anhalt. Dazu zählen auch die Altstadt von Quedlinburg, das Bauhaus Dessau, die Lutherstätten in Wittenberg und Eisleben sowie das Gartenreich Dessau-Wörlitz.

Der Naumburger Dom

Naumburg (epd). Der Naumburger Dom "St. Peter und Paul" zählt zu den bedeutenden deutschen Kathedralbauten des Hochmittelalters. Er ist ein Beispiel für die Baukunst der späten Romanik und der frühen Gotik. Der Dom ist zugleich das viertürmige Wahrzeichen der Stadt Naumburg an der Saale, im Süden Sachsen-Anhalts nahe der Unstrutmündung gelegen. Er gilt als Besuchermagnet an der Tourismus-Route "Straße der Romanik".

Das stadtbilddominierende Bauwerk stammt größtenteils aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die aus Sandstein gefertigten zwölf Naumburger Stifterfiguren gehören zu den bedeutendsten Skulpturen des Mittelalters. Dazu gehören auch die berühmten Figuren von Markgraf Ekkehard II. und seiner Gemahlin Uta.

Mit der ältesten Steinskulptur der Heiligen Elisabeth von Thüringen (1207-1231), den von Neo Rauch im Jahr 2007 gestalteten Fenstern mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth und den aus der Werkstatt von Lucas Cranach stammenden Altarflügeln befinden sich weitere kostbarste Kunstschätze im Dom und Domschatzgewölbe.

1542 fand die Amtseinsetzung des weltweit ersten evangelischen Bischofs, Nikolaus von Amsdorf, im Dom statt. Die Weihe vollzog Martin Luther (1483-1546) persönlich. Eine Lutherfigur an der Kanzel erinnert heute daran. Nach dem Tod von Bischof Julius von Pflug 1564 wurde das Naumburger Bistum aufgelöst. Heute wird der Dom von einer Stiftung verwaltet.

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