02.11.2022
Praktischer Umgang mit Friedensethik innerkirchlich umstritten

Weimar (epd). Der praktische Umgang mit den Grundsätzen der christlichen Friedensethik in Zeiten des Ukraine-Krieges sorgt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Kontroversen.

Die Synodalen müssten sich auf ihrer Jahrestagung ab Sonntag in Magdeburg wieder auf die Grundaussagen der Friedensethik besinnen, forderte der Altbischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack, in einem Beitrag für die in Weimar erscheinende mitteldeutsche Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ (Ausgabe vom 6. November). Nach Ansicht des Synodalen und Bundeswehr-Generalmajors Ruprecht von Butler darf sich die Friedensethik nicht zu einer dogmatischen Ideologie versteifen.

Die Bundeswehr müsse für ihren Kernauftrag der Landes- und Bündnisverteidigung bereit sein, sagte Butler in derselben Ausgabe der Kirchenzeitung. „Wer dem Schwächeren nicht hilft, macht sich doch schuldig, gerade im christlichen Sinne.“ Ohne die Bereitschaft, notfalls mit Waffengewalt für den Frieden einzutreten, werde es ihn nicht geben können. Das Narrativ „ohne Waffen, kein Krieg“ klinge logisch. Leider zeige aber die Menschheitsgeschichte, dass Frieden immer nur dort herrsche, wo die Erkenntnis gereift sei, dass die Durchsetzung politischer Ziele mit militärischer Gewalt eben keinen Erfolg haben werde.

Butler ist Kommandeur der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim (Unterfranken) und berufenes Mitglied der Synode der EKD, entsandt von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

„Es scheint so zu sein, als müssten wir mit der friedensethischen Besinnung und Orientierung wieder neu anfangen“, schreibt der Kirchenhistoriker Noack. Er bezeichnete es als „Wahnsinn“, gegenüber einer hochgerüsteten Atommacht mit einem unberechenbaren Diktator auf Sieg oder militärische Überlegenheit zu setzen. Noack erinnert an die Bekenntnisaussagen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, in denen eine „Absage gegen Geist, Logik und Praxis der Abschreckung“ beschlossen und in den Zusammenhang mit dem christlichen „Bekennen in der Friedensfrage“ gestellt worden sei. „Freilich müssen wir uns warm anziehen, wenn wir im lauten Getümmel des Kriegslärms einer anderen Stimme Gehör verschaffen wollen“, so Noack.

Es gelte, biblischen Zusagen vom Wirken Gottes zu vertrauen. „Gottes Wort tut, was es sagt. Daran sollen wir festhalten, gegen alle wohlfeile Verhöhnung des Pazifismus in unseren Medien.“ Wenn Jesus in der Bergpredigt die Friedensstifter „selig“ nenne, habe er nicht gemeint, dass sie von allen Seiten Beifall bekämen, so der Altbischof. Noack war von 1997 bis 2008 Bischof der Kirchenprovinz Sachsen mit Sitz in Magdeburg.

„Als bekennender Christ in Uniform fühle ich mich stark verwurzelt im christlichen Glauben und dadurch als Soldat auch geerdet“, erklärte Butler. Dies sei, wenn man auch über Fragen von Leben und Tod entscheiden müsse, ein fester Anker. Butler hat seinen Lebensmittelpunkt im Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach.

Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, rechnet damit, dass die Kontroverse über die Friedensethik auf der Jahrestagung des Kirchenparlaments eine Rolle spielt. Auf der Tagesordnung der Synode steht ein Bericht des EKD-Friedensbeauftragten Friedrich Kramer.

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