Protestanten und Anglikaner beraten in Erfurt

Erfurt (epd). Im Erfurter Augustinerkloster berät ab Donnerstag die sogenannte "Meissen-Kommission", der jeweils fünf hochrangige Vertreter der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und der Kirche von England angehören.

Thema ihrer bis Sonntag andauernden Tagung ist das kirchliche Leben als konfessionelle Minderheit in der Diaspora und die Gemeinschaft von Christen über Kirchen- und Konfessionsgrenzen hinweg, sagte der Senior des Kirchenkreises, Matthias Rein, am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Bei den Gesprächen werde es auch um die Studie "Theologie der Diaspora" der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) gehen, in die auch Erfahrungen der Protestanten in Ostdeutschland eingeflossen seien, sagte Rein. Sie soll von Miriam Rose, Professorin für Systematische Theologie an der Schiller-Universität Jena, vorgestellt werden.

Rein verwies auch auf die seit 1992 bestehende Partnerschaft zwischen der Diözese Bradford (jetzt Teil der Diözese Leeds) und dem Evangelischen Kirchenkreis Erfurt, über die er berichten werde. Die Kommission werde zudem mit Mitgliedern des Erfurter Konvents der Augustiner-Mönche und Vertretern der Reglergemeinde Erfurt sprechen. Dabei gehe es um die Erfahrungen konkreten ökumenischen Miteinanders. Auch Treffen mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und Bischof Ulrich Neymeyr vom Bistum Erfurt stehen nach Reins Angaben auf dem Programm.

Die Tagung endet am Sonntag mit einem zweisprachigen Abendmahlsgottesdienst in der Erfurter Augustinerkirche. Er werde liturgisch gestaltet vom anglikanischen Bischof Jonathan Gibbs aus Huddersfield in der Diözese Leeds. Die Predigt hält Landesbischof Ralf Meister aus Hannover.

Der sogenannte Meissen-Prozess wurde 1988 in Sachsen auf der Grundlage der Meissener Erklärung ins Leben gerufen. Mit seiner Hilfe wollen beide Kirchen an einer sichtbaren Kirchengemeinschaft arbeiten. Er führte in den vergangenen drei Jahrzehnten zu vielfältigen Begegnungen und Vereinbarungen zwischen deutschen und englischen Gemeinden. Beide Kirchen wollen in diesem Prozess weitere Schritte zur vollen Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft gehen. Nach der Brexit-Entscheidung in Großbritannien bekomme dieser Prozess auch eine neue politische Bedeutung auf europäischer Ebene, erklärte Rein.

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