10.12.2018
Sozialverband: Winterhilfe für Obdachlose reicht nicht aus

Berlin (epd). Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hat die Kältehilfe für Obdachlose als unzureichend kritisiert. "Schon vor dem meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember sind mindestens acht wohnungslose Menschen bei Kälte auf der Straße gestorben", sagte Geschäftsführerin Werena Rosenke dem Evangelischen Pressedienst (epd). Insgesamt seien in Deutschland etwa 52.000 Menschen, die auf der Straße leben, auf eine Winterunterkunft angewiesen.

Städte und Gemeinden müssten mehr menschenwürdige Unterbringungsplätze bereithalten, forderte Rosenke: "Viele Unterkünfte sind überbelegt, und es mangelt am Nötigsten." Die hygienischen Bedingungen seien oft schlecht, es gebe keine Privatsphäre, und die Betroffenen dürften ihre Hunde nicht mitbringen. "Unter diesen Umständen wird es für die Menschen immer schwieriger, aus der Obdachlosigkeit herauszukommen", sagte die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft.

"Das ist ein Teufelskreis", betonte Rosenke. Dabei sei die Rechtslage eindeutig: "Wer unfreiwillig obdachlos ist, hat von der Kommune erst einmal eine Unterkunft zu bekommen und darf nicht abgewiesen werden. Da geht es um den Schutz von Leib und Leben, das ist ein Menschenrecht." Herkunft und sozialrechtliche Ansprüche dürften dabei keine Rolle spielen.

Dass viele Kommunen die Aufnahme an Bedingungen knüpften sei ebenso rechtswidrig wie die Praxis, den Aufenthalt auf wenige Tage zu beschränken. "Wir bezeichnen das als sogenannte vertreibende Hilfe", sagte sie: "Damit zwingt man einen Menschen erst in die Nichtsesshaftigkeit, denn wenn er nur drei Mal an derselben Stelle übernachten darf, muss er ja weiterziehen." Auch die Winteröffnung von U-Bahnhöfen für Obdachlose in einigen Städten sei "nur ein allerletzter Notnagel, denn wenn es richtig kalt wird, kann man auch da erfrieren".

Seit 1991 sind in Deutschland nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft mehr als 300 Kältetote unter Wohnungslosen zu beklagen. Die Dunkelziffer sei vermutlich hoch, da die Arbeitsgemeinschaft nur jene Fälle dokumentieren könne, die in der Presse erscheinen, erklärte Rosenke. Wie viele Notunterbringungsstellen aktuell fehlten, könne nicht genau beziffert werden, da die Zahl der zusätzlichen Winterplätze in den Kommunen nirgendwo zentral erfasst werde.

Um weitere Kältetote zu verhindern, sollten die Kommunen telefonische Notrufe einrichten und Bürger auffordern, bei Notfällen nicht wegzuschauen, sagte sie. "Vor allem Städte mit vielen Wohnungslosen sollten mit Kältebussen aktiv nach gefährdeten und hilflosen Personen suchen. Das rettet im Zweifelsfall Leben."

"Der beste Schutz vor lebensbedrohlicher Kälte ist aber die eigene Wohnung," betonte Rosenke. Benötigt würden daher mehr bezahlbarer Wohnraum und eine bessere Prävention, damit weniger Menschen ihre Wohnung verlieren.

Magdeburg hält Notunterkünfte für Obdachlose bereit

Magdeburg (epd). Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg hält in der kalten Jahreszeit verschiedene Notunterkünfte für Obdachlose bereit. In der "Sozialen Wohneinrichtung" im Stadtteil Buckau stehen 88 Plätze für Obdachlose zur Verfügung, wie die Stadtverwaltung in Magdeburg auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mitteilte. Dort seien rund um die Uhr sozialerfahrene Betreuer vor Ort, die sich um die Probleme und Sorgen der dort lebenden Bewohner kümmern. Zusätzlich ist für diese Einrichtung eine Sozialpädagogin tätig.

Neben dieser Einrichtung kommen weitere Plätze für Obdachlose hinzu, die über eine Aufenthaltsberechtigung verfügen und nicht aus anderen EU-Ländern kommen. In vier weiteren Einrichtungen werden demnach 495 Plätze für Bleibeberechtigte vorgehalten, die noch nicht über einen eigenen Wohnraum verfügen, so die Stadtverwaltung. Die Auslastung der Obdachloseneinrichtung in Buckau liegt den Angaben zufolge bei 57 Prozent und in den anderen vier Einrichtungen bei 30 Prozent. Große Steigerungen in der kalten Jahreszeit seien nicht zu erwarten, hieß es.

Bei Hinweisen wird Obdachlosen in der Stadt ein Hilfsangebot zur Unterbringung und für weitere Unterstützung gemacht, wie die Stadtverwaltung weiter mitteilte. Wenn dieses Angebot nicht angenommen werde, gebe es auch die Möglichkeit, einen Schlafsack und eine Isoliermatte aus Spenden zur Verfügung zu stellen.

In der "Sozialen Wohneinrichtung" sind den Angaben zufolge gegenwärtig 50 Obdachlose untergebracht. In den vier weiteren Einrichtungen lebten aktuell 129 Menschen. Weitere 190 Menschen ohne festen Wohnsitz seien dem Jobcenter der Landeshauptstadt Magdeburg bekannt, hieß es weiter.

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