„Sterbende brauchen Begegnung“ | Thüringer Hospiz- und Palliativtag im Augustinerkloster Erfurt

„Was ist gutes Sterben? Das Ich stirbt in ein Du hinein“ Unter diesem Titel kommen am Samstag, 1. September, im Erfurter Augustinerkloster haupt-und ehrenamtliche Mitarbeitende in der Hospiz- und Palliativversorgung zum 10. Thüringer Hospiz- und Palliativtag zusammen.

Die alten Geschichten, die vom Sterben erzählen und davon, wie der Himmel aussehen könnte, seien längst entzaubert, sagt Dr. Friederike Spengler, Vorstandsmitglied des Thüringer Hospiz- und Palliativverbands. Dabei seien Leben und Sterben viel mehr als die Summe der dabei nachweisbaren chemischen Prozesse und biologischen Abläufe: „Natürlich ist es ein Segen, dass wir heute naturwissenschaftlich so weit sind, dass Medikamente und medizinische Eingriffe Krankheiten etwas entgegensetzen und Leben erleichtern können! Aber Hilfe in Seelennot oder Suche nach dem nächsten Schritt ist nicht mit dem Anlegen einer Infusion erledigt. Menschen im Sterbeprozess benötigen - wie in jedem Teil wirklichen Lebens – Begegnung: mit Menschen, die Bilder anbieten und nach den Bildern suchen, welche dann begleiten können.“

Diese Begegnung ermöglichten die Mitarbeitenden in den Hospizen, auf den Palliativstationen und in den Hospizdiensten in Thüringen, so Spengler. „Sie sitzen hörend oder redend, singend oder betend, bewachend oder berührend an Betten. Sie tun dies aus ganz unterschiedlichem Antrieb und Motivationen heraus, aber alle mit dem Ziel, dass das Sterben als ein Teil des Lebens in der Mitte der Gesellschaft gelebt werden kann.“ Es gebe in Thüringen ein Netzwerk „in wunderbarer Dichte, beachtlicher Tragfähigkeit und großer inhaltlicher Vielfalt“ mit mehr als 1200 Ehrenamtlichen.

Beim 10. Thüringer Hospiz- und Palliativtag wird der Vorsitzende im Deutschen Hospiz- und PalliativVerband, Prof. Winfried Hardinghaus, über „Fünf Thesen für ein gutes Sterben“ sprechen. Dr. Monika Renz vom Kantonsspital St. Gallen/ Schweiz geht in ihrem Vortrag der Frage nach: „Was ist gutes Sterben? Das Ich stirbt in ein Du hinein“. Die Sterbebegleiterin und Psychoonkologin berichtet von ihren Erfahrungen mit annähernd tausend Sterbenden und ihrer Forschungstätigkeit zu den Themen „Sterben“ und „Spirituelle Erfahrungen“.

In Thüringen gibt es insgesamt sieben stationäre Hospize, davon sind drei in Trägerschaft der Diakonie. Ehrenamtliche Hospizdienste gibt es im Freistaat 26 für Erwachsene und fünf für Kinder und Jugendliche. Die Diakonie ist Träger von elf dieser Dienste. Der größte Schatz der Arbeit aber sind die ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Palliativstationen in Krankenhäusern gibt es in Thüringen derzeit 15. Ein weiterer Ausbau dieser Angebote ist geplant.