14.04.2020
Stilles Gedenken in Buchenwald | Nichtöffentliche Kranzniederlegungen und eine Webseite erinnern an die Befreiung des Konzentrationslagers vor 75 Jahren

Weimar (epd). In aller Stille ist am Samstag in der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar der Befreiung des Konzentrationslagers durch Häftlinge und Einheiten der US-Streitkräfte am 11. April 1945 gedacht worden.

Wegen der Corona-Krise konnten die Kränze zur 75. Wiederkehr des historischen Ereignisses wie auch in den anderen Gedenkstätten des Landes nur von Mitarbeitern abgelegt werden. Zudem wurde eine Webseite mit einer "Thüringer Erklärung" freigeschaltet.

Sie soll das Gedenken an die Opfer ermöglichen, erklärte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Offizielle Veranstaltungen wie ein am 5. April geplanter Gedenkakt im Deutschen Nationaltheater Weimar mit Buchenwald-Überlebenden mussten wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden.

Die von der Stiftung, den Repräsentanten der höchsten Verfassungsorgane und Überlebenden der Lager verfasste Erklärung trägt den Titel "75 Jahre danach - Historische Verantwortung wahren - Demokratie und Menschenrechte verteidigen". Auf der Webseite befinden sich zudem Statements von Überlebenden und Nachgeborenen sowie die Reden, die bei den Gedenkveranstaltungen in Weimar und in Nordhausen gehalten werden sollten.

Stiftungsdirektor Volkhard Knigge rief "alle Menschen guten Willens" dazu auf, sich der Erklärung anzuschließen. Sie setzten damit auch ein Zeichen gegen diejenigen, die vom Nationalsozialismus als "Vogelschiss" sprechen würden oder eine Kehrtwende der Erinnerungskultur forderten. Eine Unterzeichnung der Erklärung ist direkt auf der Webseite möglich.

In einer Videobotschaft bezeichnete Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die Verbrechen in den NS-Konzentrationslagern als Ausdruck der Zerstörung von Humanität und von Menschlichkeit. Die Erinnerung daran müsse wachgehalten werden, weil sich diese Menschheitsverbrechen niemals wiederholen dürften. Das bleibe "unsere Verantwortung in der heutigen Zeit und in der Zukunft", betonte Ramelow.

In einer Rede, die der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Wolfgang Huber, am 7. April in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora halten wollte, ruft er zum "Widerstand gegen die 'Hölle von Dora' - heute erst recht" auf. Lange hätten die Deutschen geglaubt, menschenfeindlichen Hass und kollektive Verachtung hinter sich gelassen zu haben, so der Theologe und Sozialethiker: "Heute erkennen wir, dass dies alles andere als ein sicherer Besitz ist." Gewalttaten, die sich aus Hass und Verachtung gegen Fremde richteten wie gegen diejenigen, die sich schützend vor sie stellten, "müssen uns aufrütteln", mahnte Huber.

Auch die US-Sondergesandte für Holocaustfragen, Cherrie Daniels, gedachte in einer Videobotschaft der Befreiung Buchenwalds. In diesem Moment gebe es nichts Wichtigeres, als den Überlebenden des Holocaust und der Naziverfolgung die Hand zu reichen, sich um sie zu kümmern und sie wissen zu lassen, "dass sie nicht allein sind und nie vergessen werden", sagte Daniels.

Insgesamt starben laut Stiftung von 1937 bis 1945 mehr als 76.000 Männer, Frauen und Kinder in Buchenwald und Mittelbau-Dora bei Nordhausen. Mehr als 340.000 Menschen aus ganz Europa wurden in die beiden KZ und ihre Außenlager verschleppt.

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