26.01.2024
Thüringen will weltoffen bleiben | Auftaktveranstaltung des Bündnisses mit EKM-Beteiligung

Jena (epd). Die Initiative „Weltoffenes Thüringen“ will vor den drei Wahlen im Freistaat der bislang schweigenden Mehrheit eine politische Stimme geben.

Ziel sei es, die landesweite Sichtbarkeit der Zivilgesellschaft für die Bewahrung eines toleranten und demokratischen Freistaats zu erreichen, sagte Mitinitiator Eric Wrasse von der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar bei der offiziellen Vorstellung des Bündnisses am Donnerstag in Jena. Neben einer Plakataktion solle es in diesem Jahr immer wieder Veranstaltungen geben, die auf die Notwendigkeit dieses Ziels hinweisen werden.

Durch jüngste Umfrageergebnisse seien viele Thüringerinnen und Thüringer besorgt, wohin sich die Politik im Freistaat entwickeln könnte, sagte Wrasse. Getragen wird das vor wenigen Wochen gegründete Bündnis bereits von mehr als 3.000 Thüringer Wirtschaftsunternehmen, Sportverbänden, Wohlfahrtsorganisationen, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Einzelpersonen.

Die Initiatoren zeigten sich eigenen Angaben zufolge überrascht von der landesweiten Resonanz ihrer Initiative. Deshalb sei es notwendig, der bislang hierarchiefreien Organisationsform in den kommenden Wochen eine Struktur zu geben. Auch werde das ehrenamtlich tätige Bündnis für die Fortsetzung seiner Arbeit Spenden einwerben müssen, hieß es.

Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) erinnerte an die besondere Verantwortung seiner Stadt für ein weltoffenes Zusammenleben in Thüringen. Jena sei die Keimzelle der rechtsextremen Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gewesen. Um so notwendiger sei es, deutlich zu machen, dass gerade auch die Thüringer Wirtschaft Zuwanderung und damit Weltoffenheit brauche. „Kein Unternehmer in Thüringen kann es sich noch leisten, bei diesen Themen neutral zu bleiben“, sagte Nitzsche.

Für die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, liegt ein zentraler Baustein der Arbeit des Bündnisses nicht ausschließlich in organisierten Veranstaltungen. Die Weltoffenheit sollte sich vielmehr in der Lebendigkeit der Tagesarbeit widerspiegeln. In diesen Kontakten könne und müsse Toleranz gelebt werden, sagte Lorenz.

Der Präsident der Bauhausuniversität in Weimar, Peter Benz, sagte, die Hochschule biete Lehrenden, Angestellten und Studierenden aus 104 Nationen ein sicheres und lebenswertes Arbeitsumfeld. Doch die Geschichte seiner Einrichtung offenbare historische Parallelen zur heutigen Situation. Es sei genau ein Jahrhundert her, dass die später überall auf der Welt gefeierte Künstlerbewegung des Weimarer Bauhauses durch eine konservativ-reaktionäre Landesregierung aus Thüringen vertrieben worden sei. So etwas dürfe sich nicht wiederholen.

Die Erfurter Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friederike Spengler, verwies auf das Gebot der Nächstenliebe. Das sei ein großer Auftrag, der nur in einer toleranten Gesellschaft zu verwirklichen sei. Für die Christinnen und Christen in Thüringen gehe es auch darum, dass jeder und jede seinen Glauben weiterhin leben und staatlich geschützt ausüben könne.

Weitere Informationen: https://thueringen-weltoffen.de/

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Spengler bei Weltoffenes Thüringen  epd bild/ Paul-Philipp Braun

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