Thüringen setzt auf den Schwung des Reformationsjubiläums | Neues Buch sammelt Erfahrungen aus zehn Jahren Auseinandersetzung mit Luther

Von Dirk Löhr (epd) Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum. Darin waren sich die etwa 30 Vertreter aus Kirche, Politik und Wissenschaft sowie den Kommunen und aus der Tourismusbranche einig, die sich am Montag im Erfurter Augustinerkloster trafen.

Die meisten von ihnen hatten in den vergangenen Wochen ein paar Seiten zum Buch "Die Reformationsdekade. Luther 2017 in Thüringen" beigesteuert. Von der Literarischen Gesellschaft Thüringen zusammengetragen und im Wartburg Verlag erschienen ist es ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Die Herausgeber sowie einige der Autoren wollten in ungezwungener Runde das Projekt vorstellen, hatte Thomas A. Seidel, der seit 2010 als Beauftragter der Landesregierung maßgeblich an Vorbereitung und Realisierung des 500. Reformationsjubiläums beteiligt gewesen war, in die Einladung zum Treffen geschrieben. Diese Idee wurde dankbar aufgegriffen.

So lobte Ralf Gebauer die vielfältigen Erfahrungen aus der Dekade, die sich nun im Buch niederschlagen würden. Dabei gehe es um Formate und Themen, vor allem aber um das dichte Netzwerk, das mit den Jahren geknüpft werden konnte, sagte der Dekan des Kirchenkreises Schmalkalden. Was sonst oft zu kurz komme, leiste dieser Band - die Nacharbeit. Die vielen Beispiele zeigten, "Formate, Themen, Verbindungen - nichts hat sich erledigt", so Gebauer.

Zwar habe man keine Gedenk-Enzyklopädie schaffen wollen, doch sei das knapp 300 Seiten starke Gemeinschaftswerk fast zu dünn ausgefallen, bemerkte Jürgen Reifarth, der in Erfurt den "Kirchentag auf dem Weg" mit vorbereitet hatte. Ihn beeindrucke im Rückblick die Vielfalt und der Reichtum dieser Tage. "Es ist spannend von Dingen zu lesen, die ich gar nicht bemerkt habe."

Auf die Nachhaltigkeit der Dekade wiesen gleich mehrere der Anwesenden im Kloster hin. So sei es gelungen, zunächst befristete Stellen als langfristige Beschäftigungen zu sichern, sagte Sascha Salatowsky von der Forschungsbibliothek Gotha. Dort hat man das Jahr 2020 im Blick, wenn das Erscheinen der Schrift Martin Luthers (1483-1546) "Von der Freyheyt eyniß Christen menschen" sich zum 500. Mal jährt.

Spätestens dann rückt auch Eisenach wieder in den Fokus der Welt. Auf der Wartburg hatte der Reformator 1521 mit der Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Griechischen ins Deutsche wie nebenbei auch die Schriftsprache der Deutschen erfunden. "Wir nehmen dafür den Schwung aus 2017 mit", sagte Reinhold Brunner von der Eisenacher Stabsstelle Reformationsstadt.

Bis in das Jahr 2025 reicht der Blick der Chefin der Thüringer Tourismus Gesellschaft, Bärbel Grönegres. Dann wird sich der Deutsche Bauernkrieg mit der Schlacht bei Bad Frankenhausen zum 500. Mal jähren. Thüringen werde dem Thema eine Landesausstellung widmen, sagte Grönegres. Sie hoffe, so die Fremdenverkehrs-Expertin, dann wieder auf ähnlich gute Zahlen wie 2017, als allein ein Drittel mehr Gäste aus den USA den Weg zu den Thüringer Lutherstätten gefunden hätten.

So kann das Vorwort von Ministerpräsident Bodo Ramelow zum Buch gleichermaßen als Fazit dienen. "Thüringen ist Lutherland", auf diese kurze Formel fasste der Linken-Politiker die Erfahrungen aus dem Reformationsjubiläum zusammen. Diese Einsicht gelte unabhängig davon, ob sich seine Landsleute als Christ verstünden oder nicht. Die Reformation habe Thüringen nicht nur in der Vergangenheit geprägt, "sondern tut es bis heute", so Ramelow.

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