Deutsche Rabbiner fordern Einheit gegen "Epidemie des Antisemitismus" | Auschwitz-Überlebende rufen zu Solidarität mit Juden auf

Berlin (epd). Mit einem Kondolenzschreiben hat sich der Zusammenschluss von Rabbinern in Deutschland an die von einem Attentat erschütterte Synagogengemeinde in Pittsburgh gewandt.

Mit Trauer und Sorgte habe man von den vielen Opfern erfahren, heißt es in dem am Sonntag veröffentlichten Brief der Allgemeinen Rabbinerkonferenz des Zentralrats der Juden in Deutschland. "80 Jahre nach den Novemberpogromen 1938 in Nazi-Deutschland, der sogenannten Kristallnacht, müssen wir heute über die Auswirkungen von Vorurteilen, Hassreden und Gewalt nachdenken", schreibt der Vorsitzende Henry G. Brandt darin.

"Auch wenn es nach diesem tödlichen Angriff keinen unmittelbaren Trost gibt, rufen wir zur Einheit bei der Bekämpfung der weltweit immer heftiger werdenden Epidemie des Antisemitismus auf", heißt es in dem Brief weiter. Am Samstag hatte ein bewaffneter Mann in der "Tree of Life"-Synagoge in Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania das Feuer eröffnet.

Elf Menschen wurden dort durch die Schüsse getötet. Sechs Personen wurden nach Auskunft der Behörden verletzt, darunter vier Polizisten. Der mutmaßliche Täter, Robert Bowers (46), wurde festgenommen. Die Bluttat sei wohl der tödlichste Angriff auf die jüdische Gemeinschaft in der Geschichte der Vereinigten Staaten, erklärte der jüdische Bürgerverband Anti-Defamation League.

Das Internationale Auschwitz Komitee hat nach dem Synagogen-Anschlag von Pittsburgh zur Solidarität mit Juden aufgerufen. "Weil sich die Hass-Strategen des Antisemitismus über Kontinente hinweg gegenseitig anstacheln, rufen Auschwitz-Überlebende dazu auf, über Kontinente hinweg zusammenzustehen", erklärte der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, am Montag bei einem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers in Polen.

Er rief Kirchen, Politik, Gewerkschaften und Bürger dazu auf, sich am Wochenende an der Kampagne des American Jewish Committee (AJC) zu beteiligen und Synagogen zu besuchen. Damit solle gezeigt werden, "dass die übergroße Mehrheit der Menschen bereit ist, aus dem Schatten der Gleichgültigkeit herauszutreten". Die Kampagne des AJC läuft unter dem Hashtag #showupforshabbat.

Weiter kritisierte Heubner, "viel zu sehr hat sich die Welt daran gewöhnt, dass Juden verhöhnt, bedroht und angegriffen werden". Die Blutspur des Antisemitismus finde kein Ende. "Noch immer wird jüdischen Menschen nach dem Leben getrachtet. Und wieder protestiert die Welt pflichtschuldigst und wird dem antisemitischen Hasstreiben weiterhin weitgehend wirkungslos gegenüber stehen bleiben." Heubner ergänzte, "der Protest der Welt nach den Morden in der Pittsburgher Tree of Life Synagoge wird wieder viel zu schnell verhallen, wenn wir ihn jetzt nicht aufnehmen".

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