23.03.2020
Über 700 Kulturschaffende fordern Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland

Mit einem Offenen Brief wenden sich rund 700 Kulturschaffende mit der Forderung an die Bundesregierung, Flüchtlinge aus Griechenland nach Deutschland zu holen und die Missstände an der griechisch-türkischen Grenze zu bekämpfen.

Zu den Unterzeichnern aus ganz Deutschland gehören Autoren, Theaterschaffende, Künstler, Schauspieler und Verleger. Unter anderem haben Meret Becker, Robert Stadlober, Jella Haase, Katja Riemannn, Detlev Buck, Corinna Harfouch, Sandra Hüller, Volker Bruch, Friedrich Küppersbusch, Max Moor, Marion Brasch, Saša Stanišić, Lena Gorelik, Jan Weiler und Knut Elstermann unterschrieben.

Zehntausende Flüchtlinge würden auf griechischen Inseln und an der türkisch-griechischen Grenze unter katastrophalen Bedingungen leben. „Dazu wollen wir nicht schweigen. Literatur hat eine Stimme. Kultur hat eine Stimme. Wir können der Schande, der sich Europa gerade schuldig macht, nicht tatenlos zusehen. Wir Kulturschaffende fordern die Bundesregierung auf, sich konsequent dafür einzusetzen, die Missstände zu beenden“, heißt es in dem Schreiben.

Die Zusage von EU-Mitgliedstaaten, 1.600 Kinder unter 14 Jahren aufzunehmen, sei angesichts der großen Zahl von Hilfesuchenden „lächerlich unzureichend“. „Mehr als 100 Kommunen haben sich längst zusammengeschlossen und ihre Bereitschaft geäußert, Menschen aufzunehmen. Diese Bereitschaft auszuschlagen, empfinden wir als zynisch.“ Die Zahl der jährlich gestellten Asylanträge läge deutlich unter der im Koalitionsvertrag festgelegten Zahl von Flüchtlingen, die Deutschland bereit sei, aufzunehmen, argumentieren die Unterzeichner. Sie fordern „die Bundesregierung auf, sofort zu handeln und auf Zuruf der Kommunen, die ihre Aufnahmebereitschaft erklärt haben, Geflüchtete aus den Lagern nach Deutschland zu holen“.

Die Initiative geht auf die Leipziger Autorin Rebecca Maria Salentin zurück. „Ich bin nur eine von vielen, die nicht zusehen wollen, wenn Geflüchtete in Europa und an den Grenzen unter katastrophalen Zuständen leben müssen“, so Salentin. „Binnen 48 Stunden haben 684 Kulturschaffende den Aufruf unterzeichnet, und es werden immer mehr. Das ist ein deutliches Signal aus der Mitte der Gesellschaft.“

So heißt es abschließend in dem Offenen Brief: „Wir fordern die Bundesregierung auf, in unserem Namen das zu tun, was wir als die Pflicht aller Bürger ansehen: Menschen in Not zu helfen.“

Auch angesichts des Aufnahmestopps für Geflüchtete, der wegen der Corona-Krise verhängt worden ist, sei die Initiative sinnvoll: „Schwenkt die Bundesregierung auf unsere Forderung ein, kann die Zeit der Einschränkungen, die das Corona-Virus verursacht, genutzt werden, humanitäre Maßnahmen vorzubereiten.“

 

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