14.05.2019
Weltweiter Zugang zu Erfurter Handschrift

Erfurt (epd). Eine für die Geschichte der Thüringer Landeshauptstadt besonders bedeutsame Chronik steht ab sofort mit einer eigenen Internetseite Historikern und Hobbyforschern weltweit zur Verfügung.

Die "Chronica von Thüringen und der Stadt Erffurth insonderheit" wurde dafür in den vergangenen zwei Jahren digitalisiert und inzwischen fast zur Hälfte transkribiert, sagte der Leiter der Bibliothek des Evangelischen Ministeriums, Michaels Ludscheidt, am Montag in Erfurt. Die 982 Blatt umfassende Abschrift der verschollenen Ur-Chronik von Zacharias Hogel dem Mittleren (1611-1676) aus dem Jahr 1772 zählt - neben dem ältesten erhalten Brief Martin Luthers von 1514 - nach seinen Angaben zu den wichtigsten Schätzen der historischen Kirchenbibliothek im Erfurter Augustinerkloster.

Das Projekt geht auf eine Initiative des früheren Erfurter Universitätspräsidenten Kai Brodersen zurück. Der Historiker sorgte vor zwei Jahren für eine Anschubfinanzierung. Inzwischen wird das Vorhaben auch von der Sparkassenstiftung Erfurt mit 3.500 Euro unterstützt, sagte deren Vorstandsvorsitzender Michael Galander bei der symbolischen Freischaltung der Internetseite bibliothek-augustinerkloster.de im Lesesaal der Büchersammlung.

Große Unterstützung erfuhr das Projekt zudem durch das Digitalisierungszentrum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) in Jena. Der Umgang mit der Hogel-Chronik stellt nach den Angaben des kommissarischen Bibliothekschefs Michael Lörzer zugleich den Prototyp für das Editionsportal des Landes dar, das im September starten soll. Zugleich ist es auch Teil des Thüringer Kulturportals, mit dem Kostbarkeiten aus Thüringens Bibliotheken und musealen Sammlungen seit Februar über das Internet einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, fügte Lörzer hinzu.

Aus Sicht der Historikerin und Transkriptorin Sonja Gegenwart wird es bis zur vollständigen Übertragung des Textes, den ursprünglich vier bis fünf Schreiber zu Papier gebracht hatten, noch etwa weitere zwei Jahre dauern. Während bereits Fotodokumente aller Seiten im Netz zu finden sind, wurden von ihr bisher die ersten 419 Seiten der Chronik bearbeitet, die die wichtigsten Ereignisse aus der Stadtgeschichte beginnend mit dem Jahr 320 bis 1628 wiedergeben.

Von 1505-1511 lebte Martin Luther (1483-1546) als Mönch im Augustinerkloster. Es beherbergt heute eine evangelische Tagungs- und Begegnungsstätte mit Ausstellung und historischer Bibliothek. Mit rund 60.000 Besuchern und Gästen jährlich gehört das Kloster zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Erfurt.

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