Anfangen aufzuhören

Das Buch, das ich zu Weihnachten bekommen habe, ist furchtbar dick. Und es ist leider auch kein Roman, sondern ein Sachbuch über den Dreißigjährigen Krieg. 1618 hat dieser Krieg begonnen, vor 400 Jahren, mit dem „Prager Fenstersturz“. Aber das ist auch nur so ein Begriff aus dem Geschichtsunterricht. Ich will das dicke Buch lesen, weil ich über den Dreißigjährigen Krieg sehr wenig weiß, außer das, was man manchmal als Scherzfrage beantworten muss, nämlich, wie lange er gedauert hat…

Beim Lesen im Bett trainiere ich gleich noch meine Arme, die das dicke Buch halten müssen. Aber ob ich hinterher schlauer bin? Ich glaube, eines weiß ich jetzt schon: Bei vielen, wenn nicht den meisten Kriegen weiß man hinterher nicht mehr so ganz genau, warum sie angefangen haben. Gegenseitige Drohungen, eine immer aggressiver werdende Stimmung und dann irgendwann ein erster Angriff. Manches, was ich aus dem Geschichtsunterricht weiß, erinnert mich in unguter Weise an unsere politische Situation in der Welt. Wann es genau angefangen hat, das weiß dann nachher wieder keiner mehr.

In einem anderen dicken Buch, der Bibel, steht auf vielen Seiten ein großer Wunsch. Dass die Menschen verlernen, Krieg zu führen, das Schwerter zu Pflugscharen werden. Ein Wunsch, so alt wie die Menschheit. Und sehr schwer zu verwirklichen. Aber einer muss anfangen, aufzuhören. Ich will heute mal sehen, ob ich irgendwo mit dem Frieden anfangen kann.

 

Einen friedlichen Tag wünscht Ihnen

Pfarrerin Kathrin Oxen aus der Lutherstadt Wittenberg