Thomanerchor

Sie sind zu dritt in einem Zimmer. Nach der Schule haben sie sofort zwei Stunden Chorprobe. Ihre Hausaufgaben machen sie unter Aufsicht nach dem Abendbrot. Ihr Tagesablauf lässt ihnen sehr wenig Freizeit. An jedem Wochenende singen sie in mindestens zwei Gottesdiensten. Und das Härteste: Smartphones sind nur sehr eingeschränkt erlaubt und müssen bei den Erziehern abgegeben werden.

Was sich anhört wie eine Reportage aus einer – sagen wir mal disziplinierten – Erziehungsanstalt, ist der Alltag der Jungen, die in Leipzig im Thomanerchor singen. Knapp 90 Jungen zwischen 9 und 19 Jahren leben dort im Internat.

Jede Woche bereiten sie sich auf die Aufführung einer Kantate von Johann Sebastian Bach in der Leipziger Thomaskirche vor. Und wer sie in der immer gut besuchten Kirche singen hört, fühlt sich dem Himmel ein Stück näher. Egal, ob sie sich vorher gestritten haben oder beim Fußball gefoult – ihre Stimmen klingen klar und wunderschön.

Ich habe einige dieser Jungen aus dem Thomanerchor kennen gelernt. Wenn man sie fragt, warum sie das alles auf sich nehmen, können sie es gar nicht genau sagen. Die Musik und die Gemeinschaft im Chor, antworten die meisten. Ich denke: Diese Jungen erleben, dass sie etwas gut können und Erwachsene sie ernstnehmen.

Und: dass sie eine Stimme haben. Und: dass man die trainieren kann. Was für eine wichtige Lektion. Ich wünsche sie jedem Menschen. Du hast eine Stimme. Trainiert oder nicht. Nutze sie.

Einen fröhlichen Tag wünscht Ihnen

Pfarrerin Kathrin Oxen aus der Lutherstadt Wittenberg