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26.11.2023
Auf dem Weg

Als Pfarrer gehöre ich zu den modernen Nomaden.

Ich bin an der Ostsee geboren, auf Rügen war ich Bausoldat, in Leipzig habe ich studiert. Das Vikariat brachte mich wieder in den Norden, Pfarrer war ich dann in die Nähe von Weißenfels und am Harz. Schließlich brachte uns der Umzugswagen hierher nach Halle. Jetzt in ein Pfarrhaus direkt an der Marktkirche. So viele Orte!

„Wir haben hier keine bleibende Stadt“, heißt es in der Bibel, „sondern die zukünftige suchen wir.“ Das bedeutet: Immer wieder unterwegs sein, Abschied nehmen von vertraut gewordenen Menschen und Orten.

Dabei gehören das Innehalten, das Sich-Erinnern zum Weg dazu.

Einmal im Jahr treffen wir uns als Großfamilie am Familien-Grab in Kühlungsborn. Wir erzählen uns die Geschichten von damals. Wir denken an die, die vor uns waren. An eine vergangene Heimat, die mal ganz früher bei Odessa lag. Erinnern uns an Fluchtgeschichten und wie die Großmutter als junge Frau 1945 in Kühlungsborn ankam mit zwei Töchtern, links und rechts an der Hand.

Heute ist Totensonntag. Oder besser: Ewigkeitssonntag. Wir erinnern uns an die, die vor uns waren. An die, mit denen wir gemeinsam unterwegs waren.

Ich denke an die zukünftige Stadt, von der die Bibel spricht. Ich hoffe, Gott wird mich in dieser Heimat eines Tages empfangen. Mit offenen Armen. Du bist angekommen.

Hans-Jürgen Kant, Superintendent in Halle


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