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26.07.2020
Barmherzige Verwechslung

Können Sie mir sagen, wo Wagen sieben ist, fragt mich eine Frau im Zug. Ich bin freundlich, zeig ihr den Weg, helfe gern. Aber seh’ ich vielleicht aus wie ein Schaffner. Ich bin keiner. Ich bin Bischof. Ist es meine rote Fliege? Oder die schwarze Weste, die ich öfter trage? Helfe ich ihr? Na klar, gerne.

So ist das. Menschen verwechseln. Einen Bischof mit einem Schaffner. Und manchmal verwechseln wir uns selbst und nehmen uns wichtig und halten uns für Gott. Dann verwechseln wir Mensch und Gott.

Ich bin wichtig, alles muss sich um mich drehen. Ich, ich, ich bin wichtig.

Diese Verwechslung wiegt deutlich schwerer, weil die Schuhe einfach eine Nummer zu groß sind: Gott ist gütig, wenn nichts anderes mehr zählt. Er ist treu bis über den Tod hinaus. Wir Menschen, wir sind begrenzt – bei allem guten Willen. Da können wir glauben, wie wir wollen. Es gibt keinen Grund, zu meinen, die Welt müsste sich um uns drehen.

Wer sich selbst mit Gott verwechselt, macht Fehler, die oft noch Generationen später ausbaden müssen.

Dann doch lieber von einem Mitmenschen mit dem Schaffner verwechselt werden! Das ist eine Verwechslung, in der wir auf eine gute Weise über uns hinauswachsen, weil wir einander etwas zutrauen. Man muss das Gebraucht-Sein ja nicht gleich missbrauchen.

Ein reines Herz und viel Geduld mit dem Verwechseln wünsche ich Ihnen. Das sagt Friedrich Kramer, Landesbischof der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland


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