02.09.2019
Beschenkt

Urlaub. Wir sitzen mit zweien unserer Töchter im Gartencafé. Strecken die Beine lang. Lassen es uns gutgehen. Bei Kaffee und Torte.

Nichts drängelt uns. Aber dann wollen wir doch aufbrechen.

„Kann ich bitte die Rechnung bekommen“, sage ich.

„Ach, das ist doch nicht nötig“, sagt der Kellner. Nimmt eine paar leere Tassen und geht.

Ich lache und lege mein Portemonnaie auf den Tisch.

Als der Kellner wieder vorbeikommt, winke ich mit meiner Geldbörse.

„Alles ist gut“, sagt er nur.

Jetzt werde ich so langsam unruhig. Will er mein Geld nicht? Das geht doch nicht. Eine Leistung braucht eine Gegenleistung. Wir sind ja nicht im Schlaraffenland. Oder im Paradies. Wo ich einfach so sein kann und alles ist im Überfluss da.

Zögernd verlasse ich den Tisch. Als ich bei den Rädern ankomme, will ich meinen Töchtern erzählen, was ich gerade erlebt habe. Da verziehen sie ihre Gesichter zu einem breiten, glücklichen Grinsen. Und ich begreife.

„Wir haben euch eingeladen“, lachen sie.

Ja, so müsste das Leben immer sein. Beschenkt von dannen ziehen. Umsonst. Das Paradies.

„Was willst du?“ sagt meine Frau. „Genau das hast du doch eben gehabt. Einfach mal so beschenkt zu sein, ein Stück des Paradieses zu erleben.“

Recht hat sie. Solche Momente des Beschenktwerdens sind schön.

Ich will sie genießen und gerne annehmen. Sagt Hans-Jürgen Kant von der Evangelischen Kirche in Halle.


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